Lemony Snicket: Rätselhafte Ereignisse Deutschland, USA 2004 – 108min.

Filmkritik

Zart-Düster

Serge Zehnder
Filmkritik: Serge Zehnder

Düster, anachronistisch und nicht immer familientauglich hat die Adaption der Lemony Snicket's Kinderbücher ungeahnt zarte Momente. Ein Umstand, der nicht zuletzt Brad Silberlings Regie zu verdanken ist, die das emotionale Fundament des Märchens mit Jim Carreys hyperaktivem Spiel verbindet.

Klaus (Liam Aiken) und Violet (Emily Browning) Beaudelaire werden nach dem Tod ihrer Eltern zu Waisen. In einer zusammenfantasierten Welt, die zwischen der Romantik des neunzehnten Jahrhunderts, den fünfziger Jahren und der Gegenwart pendelt, werden die Beaudelaire's in die Obhut des sadistischen und völlig narzisstischen Grafen Olaf (Jim Carrey) gegeben. Ein Ausbund an Exzentrik macht Olaf keinen Hehl daraus, dass die Kinder seine Sklaven und ihr Erbe sein Besitz ist. Mit Erfindungsgeist und Wissen vermögen sich die Kinder jedoch stets aufs Neue aus den titelgebenden unglücklichen Geschehnissen zu befreien, und begegnen auf der Flucht vor dem Grafen ihrem reptilienliebenden Onkel Monty (Bill Connolly) und der panischen Tante Josephine (Meryl Streep).

Die verschiedenen Szenenwechsel geben dem Film einen stark episodischen Charakter und bringen den Fluss der Geschichte gelegentlich ins stocken. Gleichzeitig baut Silberling zusammen mit Drehbuchautor Robert Gordon die Welten und das Mysterium um die verstorbenen Eltern sorgfältig genug auf, dass ein Spannungsbogen gewahrt wird. Die hervorragend ausgestatteten Studiowelten von Rick Heinrichs und die Kameraarbeit des Mexikaners Emmanuel Lubezki bringen den skurrilen Mix aus historischem Märchen und neuzeitlichem Wahnsinn zum Leben. Ein ideales Forum für Carrey's Improvisationskünste, die er nach seiner zurückhaltenden und wohl besten Leistung in "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" hier wieder entfalten darf. Das idiotische Ekelpaket, welches man mit Freuden leiden sieht, füllt Carrey wie kaum ein anderer aus. Seine Scharaden borden teilweise fast über, werden aber glücklicherweise durch die ideal besetzten Kinder wieder aufgefangen.

Silberling führt den Stoff auf dem schmalen Grat zwischen Düsternis und Hoffnung sicher ans Ende. Nach "Moonlight Mile", seinem sehr gelungenen aber auch unbeachteten Werk, wendet er sich hier wie schon bei "Casper" und "City of Angels" der etwas leichteren Kost zu. Zynismus, Melancholie und Verzweiflung werden als Sprungbrett für eine berührende Geschichte über Verlust und neugefundene Hoffnung gebraucht, was diese Serie von sehr unglücklichen Ereignissen zu einer humorvollen und sehr herzlichen Reise in die Welt der Kinderträume macht. Wo die Fantasie dem Egoismus trotzt, und die Wahrheit stets triumphieren wird.

16.12.2011

4

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Kommentare

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8martin

vor 2 Monaten

Ein Riesenspaß für Groß und Klein. Regisseur Brad Silberling hat hier eine Promi Riege vor die Kamera geholt und die scheinen ihre Auftritte zu genießen. Die drei Waisenkinder Klaus (Liam Aiken), Violet (Emily Browning) und die kleine Sunny kommen zu ihrem Vormund. Damit beginnt eine abenteuerliche Reise, denn die gesetzlichen Vertreter schalten sich gegenseitig aus oder verschwinden irgendwie. Der erste ist gleich der Schlimmste Graf Olaf (kaum wiederzuerkennen Jim Carrey), der den Kindern nach dem Leben trachtet, um an ihr Geld zu kommen. Darüber wacht aber noch Mr. Poe (Timothy Spall). Es folgt als Vormund Onkel Monty (der unglaubliche Billy Connelly), der zwar netter ist als Graf Olaf, aber auch nicht so ganz knusper ist. Dann kommt Tante Josey (Meryl Streep), die Olaf versucht einzuwickeln. In ihrem Stelzenhaus über dem Abgrund am Meer bricht das erste Animation Highlight aus. Temporeiche Abbruchkaskaden. Und immer wieder taucht in neuer Verkleidung Graf Olaf auf. Er versucht es sogar über eine Zwangsehe mit Violet. Das verhindert Baby Sunny.
Auf der Bootsfahrt ist eine Blutegelattacke ein weiterer echter Schocker, und macht den Plot richtig spannend. Gelegentlich sorgen Untertitel, wenn Baby Sunny etwas brabbelt für Lacher, z.B. ‘Der hat nicht alle Tassen im Schrank.‘ Die Kids sind eigentlich die einzigen Normalen hier. Dustin Hoffman hat ein Cameo. Alle haben Spaß an der Freud: Akteure und Zuschauer. Gut gemachte, temporeiche Unterhaltung und für ein Märchen ist sogar Spannung angesagt. Jude Law erzählt uns die Geschichte, die er gerade aufschreibt und die natürlich ein glückliches Ende für die drei Waisenkinder hat.Mehr anzeigen


ilshad

vor 9 Jahren

Herrlich schräge Geschichte um bekannte, alltägliche Sachen wie Gier, Skrupellosigkeit und der Tatsache, dass Kinder nicht ernst genommen werden.

Die Schauspieler erledigen ihre Arbeit durchgehend gut. Selbst dem Gebahren der kleinen Schwester sieht man an, dass sie es, entgegen der Kleinkindoptik, faustick hinter den Ohren hat. Obwohl ich der überzogenen Mimik von Jim Carrey, mit Ausnahme von "die Maske" eigentlich nichts abringen kann, so hat sie hier wunderbar zum schrägen und fiesen Charakter gepasst. Auch Meryl Streep in ihrer Nebenrolle als übervorsichtige Tante war grossartig.

Die Optik der Kulissen und der Kostüme ist sehr gelungen. Sie unterstreichen die Wirkung der Schauplätze und der Charaktere ausgezeichnet.

Einzig kleine Logikschwächen (siehe Tuvoks Kommentar mit der fehlenden Beisskraft der kleinen Dame im Käfig), sowie die etwas zu kurze Spielzeit verwehren dem Film die vollen fünf Punkte.

Allerdings muss man auf schräge Charakteren und Welten einlassen können um in den vollen Genuss von Lemony Snicket zu kommen.Mehr anzeigen


nickobe

vor 9 Jahren

Also so habe ich Jim Carrey noch nie gesehen. In verschiedenen "Rollen" überzeugte er mich voll. Die Geschichte an sich in gut. Die Art des Filmes ist mal was neues. Dazu kommen viele Gastauftritte von verschiedenen Stars, was dem Film eine zusätzliche Würze verleit. Wirklich gelungen!


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