Runaway Jury USA 2003 – 127min.

Runaway Jury

Filmkritik

Waffenlobby auf der Anklagebank

Filmkritik: Irene Genhart

"Runaway Jury" ist ein solide inszeniertes Justiz-Spektakel, in dem sich Gene Hackman, Dustin Hoffman und John Cusack ein ränkereiches Katz- und Maus-Spiel liefern

David gegen Goliath. Ein paar Übergewichtige gegen McDonalds. Ein Lungenkrebskranker gegen die Tabakindustrie: Nirgendwo werden derart irrwitzige Prozesse geführt wie in der USA - und nirgendwo erfreut sich der Justiz-Skandal-Thriller grösserer Beliebtheit als in Hollywood.

Einer, der die US-Justiz immer wieder unter die Lupe nimmt und der Filmbranche damit eine Vorlage nach der anderen liefert ist der Erfolgsautor John Grisham ("The Firm", "The Pelican Brief", "The Rainmaker"). Die Leinwandadaptionen seiner Romane tragen das Siegel "spannend" quasi als Garantieschein mit sich. Wobei sich die zur Klärung des Falls nötigen Informationen über das Funktionieren der US-Gesellschaft beziehungsweise der amerikanischen Justiz meist als spannender entpuppen als der eigentliche Prozess.

Deswegen fällt auch nicht wirklich ins Gewicht, was Adaptions-Puristen Regisseur Gary Fleder auf den ersten Blick schon vorwerfen können: Anders als im Grisham-Roman mit dem deutschen Titel "Das Urteil" sitzt in Fleders Film nicht die Tabak-, sondern die Waffen-Industrie auf der Anklagebank. Was durchaus Sinn macht. Zum einen nämlich hat Hollywood mit Michael Manns "The Insider" der Tabak-Industrie vor fünf Jahren eben erst zünftig eins ausgewischt. Zum andern aber fehlt, seit die USA sich selber zur (mehr oder weniger) rauchfreien Zone erklärt haben, dem Thema auch etliches an aktueller Brisanz. Ergo haben die Drehbuchautoren die US-Waffenlobby ins Visier genommen und damit ein Gutes getan. So schreibt sich "Runaway Jury" ein in eine Reihe neuerer Filme, die sich von Gus van Sants "Elephant" bis zu Michael Moores "Bowling For Columbine" mit brisanten Aktualitäten wie Amokläufen, Gewalt und Waffenbesitz auseinandersetzen.

Doch das ist nur die eine Ebene, die "Runaway Jury" bedient. De facto liegt der Fokus des Film - und da hält er sich zur kolportierten Zufriedenheit von Grisham enger an die Vorlage - auf der Schilderung der Tätigkeit sogenannter Jury-Berater und der Manipulierbarkeit von Geschworenen. Der Gerichtsthriller präsentiert sich im Kern als Katz- und Maus-Spiel über drei Ecken. Zum einen stehen sich, als Vertreter der Verteidigung, der Jury-Berater Finch (Gene Hackman) und als Ankläger der Anwalt Wendell Rohr (Dustin Hoffman) gegenüber. Als janusköpfiger Advocatus Diaboli amtiert der vorerst harmlos erscheinende Geschworene Nic Easter, gespielt von einem charmant-schlitzohrigen John Cusack, der mit Rachel Weisz alias Marlee als einziger der Herren auch noch eine Dame mit ins Spiel bringt.

"Runaway Jury" entpuppt sich als ebenso solide inszenierter wie virtuoser Justiz-Thriller, der spannend bis zur letzten Minute die laschen US-Waffengesetze, aber auch die in der USA nach dem 11. September herrschende Überwachungshysterie locker aufs Korn nimmt.

12.05.2004

4

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Kommentare

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nemo42

vor 14 Jahren

tausend dank für den tipp, david. hab mir die cd von peter malick gleich bestellt. das netz ist eben doch ne tolle sache... grezzze!


stein

vor 14 Jahren

Der Song heisst "Heart of Mine" und ist von Bob Dylan, performed von der Peter Malick Group und Norah Jones.


nemo42

vor 14 Jahren

danke ywi, für deine antwort: -) ich bin mir mit der norah nicht sicher, hab ich doch selber ne cd von ihr. nachgehen werd ich der sache aber so oder so. und auf dem soundtrack hab ich schon nachgesehen - da ist nur musik des komponisten christopher young drauf... cu


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