Hulk USA 2003

Filmkritik

Grosser grüner Griesgram

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

Was ist gross, grün und macht gern Panzer kaputt? Richtig, der Hulk, zu deutsch etwa "der klobige Trampel". Ang Lees digitales Monster nach Comicvorlage hinterlässt zwiespältige Gefühle.

Mit diesem Mann ist nicht zu scherzen. Wenn Dr. Bruce Banner (Eric Bana) rot sieht, wird er grün vor Wut. Der rasante Muskelaufbau lässt jeden Anabolikakonsumenten vor Neid erblassen und der Stoff der Unterhosen wird bis an die Grenze der Belastbarkeit gedehnt. Und wenn das triebgesteuerte Riesenbaby, in das sich Banner verwandelt, so richtig in Fahrt kommt, muss nicht nur die Puppe der kleinen Schwester dran glauben, sondern gleich ganze Panzerverbände.

Wie hat es soweit kommen können? Schuld ist wieder einmal der Teufel Wissenschaft. Vor Jahrzehnten experimentierte Bruce’s Vater (Nick Nolte) auf einer Militärbasis mit der Regenerationsfähigkeit von Tieren und Menschen und gab nach illegalen Selbstversuchen seine veränderte Erbmasse an den Sprössling weiter.Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, Banner Junior begibt sich ebenfalls in die tückische Welt der Laboratorien und wird prompt Opfer eines Strahlenunfalls. Voilà, der Hulk ist geboren, der fortan je nach Laune wächst und schrumpft und zum Schluss in einen kleinen Zerstörungsfeldzug zieht, an dessen Ende wieder einmal klar wird, dass nur eine Frau das Monster im Mann bändigen kann.

Denn trotz Comicvorlage ist der Hulk nicht etwa ein Superheld, sondern ein handfestes Monster, und ein tragisches noch dazu, angesiedelt irgendwo zwischen Frankenstein und Dr. Jekyll und Mr. Hide. Den taiwanesischen Regisseur Ang Lee, der ausser seinem oscargekrönten "Crouching Tiger, Hidden Dragon" keine Vertrautheit mit dem Actionterritorium beanspruchen kann, interessieren denn die tragischen und melodramatischen Aspekte dieser Geschichte auch aussergewöhnlich stark. Es sind die Themen, die seine früheren Filme wie etwa "The Ice Storm" zu kleinen Meisterwerken machten.

Eigentlich testet Lee aber so ziemlich jeden möglichen Blickwinkel auf diese Geschichte, die traumatische Vater-Sohn-Beziehung, das Verhältnis Banners zu seiner ehemaligen Geliebten Betty (Jennifer Connelly), die unterdrückten Emotionen, alles von Freud bis Familie. Aber letztendlich wollen wir halt doch nicht nur eine Beziehungsschnulze sehen, sondern auch wie der Hulk Panzer durch die Wüste wirft. Lee will auch diesen Anspruch befriedigen und endet bei einer eklatanten Überlänge von zwei Stunden und zwanzig Minuten.

Die Comics aus dem Marvel-Verlag haben in den letzten Jahren einen erstaunlichen Wandel von der Klolektüre zur Blockbustervorlage durchgemacht. Nach "X-Men", "Spider-Man" und "Daredevil" setzt der grüne Pflock für Comicverfilmungen neue Massstäbe im Geldverpulvern: 120 Millionen Dollar standen zur Verfügung, um mit Hilfe massiver digitaler Rechenpower den Klops zum Leben zu erwecken. Wirklich überzeugend ist das Resultat nicht. Obwohl Ang Lee, selbst ausgebildeter Schauspieler, einen Hulk-Anzug trug und seine Bewegungen als Berechnungsbasis genommen wurden, wirkt das Endresultat etwas holperig und wenig organisch.

Lob gebührt dem Taiwanesen aber für seine Bildsprache. Er geht formal sehr direkt auf das Medium Comic ein, arbeitet mit Split-Screens und Perspektivenwechseln, die zwar bisweilen gegen filmische Regeln verstossen, aber dafür das Feeling gezeichneter Vorlagen spürbar machen.

Aber wenn der Digitalhulk dann im Sauseschritt gen San Francisco hüpft, wie eine überdimensionierte Heuschrecke, kann man sich ein erstauntes Lachen kaum verkneifen.







04.01.2017

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Kommentare

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movie world filip

vor 9 Jahren

gute special effects aber ang lee entauschend... warum macht er ein film wie hulk...? der man der sense & sensibility drehte?


300

vor 13 Jahren

Dieser Film wird eher von den guten Schauspieler ( Eric Bana, Nick Nolte & Jennifer Connely) getragen anstatt von der Action. Und man erwartet einfach von einem Marvel Comic Verfilmung etwas mehr Action. Ang Lee ist hier als Regisseur ein bisschen fehl am platze. Aber vielleicht deshalb einer der besten Superhelden Filme. Freue mich trotzdem auf "The Incredible Hulk", sieht ein bisschen Actionreicher aus.Mehr anzeigen


Gelöschter Nutzer

vor 13 Jahren

der film ist gut gemacht! eric bana und jennifer conelly machen den film noch besser!


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