Between Strangers Kanada, Italien 2003 – 95min.

Filmkritik

Between Strangers

Filmkritik: Irene Genhart

Toronto, drei Frauen, drei Storys um missglückte Vater-Tochter-Beziehungen, verpasste Mutterschaften und Neuanfänge: "Between Strangers", das Regiedebut von Edoardo Ponti, ist ein mystisch angehauchtes Drama um Seelenverwandtschaften.

An einem Bistrotisch im Flughafenrestaurant von Toronto sitzen drei Frauen. Jede von ihnen hat vor kurzem einewichtige Entscheidung getroffen; jede hat einen Abschnitt ihres Lebens abgeschlossen; jede der drei ist unterwegs anein neues Ziel. Ein kleines Mädchen hüpft vorbei. Die drei lächeln. Sie kennen sich nicht, reden nicht miteinander, gehen keine Beziehung ein. Dem Zuschauer allerdings sind sie bekannt; in seiner Sicht haben sich ihre Geschichten längst zu einer verbunden: Das ist die Schlussszene - in gewissem Sinne aber auch der Ausgangspunkt - von "Between Strangers".

Die drei nebeneinander Sitzenden heissen Olivia (Sophia Loren), Natalia (Mira Sorvino) und Catherine (Deborah Kara Unger). “Between Strangers”, so wird geworben, ist Sophia Lorens hundertster und ihres Sohnes Edoardo Pontis erster Film: Tatsächlich hat Ponti für sein Regiedebut seine berühmte Mutter Sophia zum Spiel geladen. Und sie ist schön, die Loren, in ihrer hundertsten Rolle. Spielt eine leicht ins Alter geratene Italienerin, die jenseits des Ozeans, im kanadischen Toronto "Busse tut", möchte man sagen: Auch wenn in "Between Strangers" nie explizit von Schuld und Sühne die Rede ist , so schreibt sich Pontis Drama doch ein in den Kanon von Vergehen und Vergeben.

Olivia arbeitet im Supermarkt und kümmert sich seit Jahren in hingebungsvoller Aufopferung um ihren behinderten Gatten John (Pete Postlethwaite). Eines Tages erscheint Olivia ein kleines Mädchen. Bizarre Träume plagen sie inder folgenden Nacht und als sie erwacht, verfolgt sie das Bild einer aus flammendem Stein gemeisselten Frau.Beunruhigt erzählt Olivia erst dem Parkgärtner Max (Gérard Depardieu) später John, worüber sie jahrelangschwieg: Sie hat als junges Mädchen eine Tochter geboren, diese auf Geheiss des Vaters direkt nach der Geburt aber zur Adoption freigegeben. Sie habe ihr Kind nicht festgehalten, quält sich Olivia heute und findet endlich dieKraft, ihre Tochter zu suchen und in Rückbesinnung auf die Träume der Jugend nach Florenz zu reisen.

Gespiegelt, verdoppelt, verdreifacht wird in "Between Strangers" die Geschichte von der Schuld des Vaters, dem Leid der Tochter und einem endlich möglichen Neuanfang: Natalia, welcher der Sprung zur grossen Fotografin geglückt ist, kann sich, angeregt durch das Bild eines kleinen Mädchens, von ihrem ebenfalls fotografierenden, ebenso berühmten wie dominanten Vater lösen. Die Cellistin Catherine schliesslich, die der Karriere wegen ihre Familie schnöde im Stich lässt, schafft es nach der heftigen Auseinandersetzung mit ihrem jahrelang im Gefängnis sitzenden Vater, zu ihrer Familie zurück zu kehren.

Einheit von Ort und Zeit und Zufall füget die drei Storys in zum Ganzen. Oder sollte es zumindest. Denn das, was zum Beispiel Robert Altman in "Short Cuts" mit Leichtigkeit gelingt, glückt dem Regieneuling Edoardo Ponti nur ansatzweise. Zu gesucht sind Alliterationen, zu wenig ausgeschöpft ist die - laut Ponti dem Film zu Grunde liegende - Idee der zufälligen, aber bedeutungsvollen Begegnung dreier Frauen am Tisch eines Flughafenrestaurants.

Zum wirklichen Verhängnis wird dem Film aber die - etwa durch die Vision des kleinen Mädchens - angestrebte Mystik. Trat diese im Werk Krzysztof Kieslowskis, dessen Film "La double vie de Véronique" offensichtlich für "Between Strangers" Pate gestanden hat, als genuine Genialität zu Tage, so nimmt sie sich hier als missglückte Nachmache aus.

Dass Pontis Debut dennoch einige Pluspunkte verbucht, liegt an den durchs Band grandios spielenden Schauspielern und einigen Szenen, die vor dem Hintergrund der Filmgeschichte ganz wunderbar humorvoll wirken. Denn als der grosse Franzose Gérard Depardieu als angegrauter Gärtner Max der leidgequälten Sophia Loren in einem kanadischen Park eifrig den Hof macht, erlebt das Kino einen seiner ganz heiteren Momente.





09.02.2021

2.5

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