Enigma Deutschland, Niederlande, Grossbritannien, USA 2001 – 119min.

Filmkritik

Von Geheimcodes und Verschwörungen

Filmkritik: Remo Bräuchi

"Enigma" war der Name der legendären Chiffriermaschine der Nazis, die als nicht entschlüsselbar galt und von den Briten geknackt wurde. Michael Apted hat nun den gleichnamigen Erfolgsroman von Robert Harris an Originalschauplätzen und mit prominenter Besetzung verfilmt. Produziert hat Rolling Stone Mick Jagger.

Bletchley Park, nördlich von London, 1943. In einem streng geheimen Projekt arbeiten Mathematiker, Militärs und Sprachwissenschaftler an der Entschlüsselung feindlicher Funksprüche. Als die Nazis plötzlich den deutschen U-Boot-Code ändern, ist ein Nachschubkonvoi der Alliierten mit 10'000 Passagieren und Lebensmittellieferungen an Bord schutzlos den Angriffen der deutschen Flotte im Nordatlantik ausgeliefert. In dieser hochdramatischen Lage wird der brillante junge Mathematiker Tom Jericho (Dougray Scott) um Hilfe gebeten.

In einem fieberhaften Wettlauf mit der Zeit, versucht er, die Befehle des Feindes zu decodieren. Aber unbemerkt von Vorgesetzen sucht er auch nach seiner früheren Geliebten Claire, die plötzlich spurlos verschwunden ist – genau zu jenem Zeitpunkt, als man in Bletchley Park einen Spion vermutet. Gemeinsam mit Claires Mitbewohnerin Hester (Kate Winslet) macht er sich auf die Suche nach den Gründen für ihr mysteriöses Verschwinden, immer verfolgt vom britischen Geheimdienst.

Im Zeitalter von "Pearl Harbor" und "Saving Private Ryan" scheint ein englischer Film über die Entschlüsselung einer deutschen Chiffriermaschine alles andere als spannend. Dies wird denn auch "Enigma" zum Verhängnis, der Film wirkt schon beim Auftakt wie ein früher Spionagefilmklassiker. Aufgrund des Themas und der korrekten Weigerung des Regisseurs, den Inhalt actiongerecht – und wie wir es mittlerweile gewohnt sind - mit viertelstündigen Knallern und den neuesten Special-Effects bis zum Geht-nicht-mehr aufzublasen, wirkt "Enigma" zuweilen etwas staubig und erinnert eher an ein Samstagabendfilm im Fernsehen, als an eine Kinopremiere.

Dabei ist "Enigma" durchaus nicht schlecht gemacht. Michael Apteds Karriere ist gezeichnet von Widersprüchen, führt von Blockbustern ("The World is not enough") über Anspruch ("Gorillas in the Mist") bis hin zum Unerträglichen ("Nell"). In seinem neuen Film schafft er ein atmosphärisch dichtes Bild der Kriegsjahre in Bletchley Park, dem englischen Zentrum für Dechiffrierung feindlicher Nachrichten und bliebt damit komfortabel irgendwo zwischen James Bond und "Nell" hängen.

Es ist Tom Stoppards ("Shakespeare in Love") Drehbuch zu verdanken, dass bei genauem Hinsehen auch interessante und aktuelle Nuancen in die Handlung einbezogen werden. So darf sich die von Kate Winslet gespielte Hester durchaus darüber wundern, weshalb sie als Gewinnerin eines Kreuzworträtselwettbewerbs im Rekrutierungsprozess noch immer auf Verwaltungsebene stecken bliebt, während ihre beiden geschlagenen männlichen Mitbewerber scheinbar mühelos in die obersten Ebenen der Entschlüsselungshierarchie gefunden haben. In einem Genre, in dem Frauen immer wieder auf Mata Hari ähnliche Femme Fatales oder auf tragische Opfer reduziert werden, ist es durchaus willkommen, dass hier einer unscheinbaren Frau genug Cleverness zugetraut wird, den männlichen Helden wiederholt auf die richtige Fährte zu schicken.

Das Drehbuch gibt den Schauspielern denn auch viel Raum. Von der wandlungsfähigen Kate Winslet sind wir beeindruckende Leistungen gewohnt. Jeremy Northam hat sichtbar Spass am Geheimdienstagenten Wigram und Dougray Scott trägt mühelos seinen ersten grossen Film als Hauptdarsteller. Dieser Besetzung ist es zu verdanken, dass "Enigma" am Ende nicht enttäuscht.

10.11.2020

3

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Kommentare

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movie world filip

vor 10 Jahren

historisches interessante geschichte, sober und gut gemacht, apted macht neben unsinn wie nell auch wichtige filmen


Gelöschter Nutzer

vor 17 Jahren

der film ist recht anspruchsvoll aber verdammt spannend und gut gemacht.
Krieg mal hinter den Fronten ohne viel Action.


Gelöschter Nutzer

vor 20 Jahren

zu kompliziert


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