Das Leben ist schön Italien 1997 – 114min.

Filmkritik

Humor vor Holocaust

Tobias Asch
Filmkritik: Tobias Asch

Spätestens seit er in Down by Law zusammen mit Tom Waits in eine Gefängniszelle gesperrt wurde, ist Roberto Benigni auch jenen ein Begriff, die mit der italienischen Filmkunst eigentlich nicht so viel am Hut haben. Nach mehreren zum Teil eher oberflächlichen Elaboraten wie Johnny Stecchino (1991) und Il Mostro (1994) meldet sich der chronisch zerzauste dieses Jahr mit La Vita è bella zurück, einer eindrücklichen, vor dem Hintergrund des Holocaust spielenden Tragikomödie. Am Filmfestival in Cannes erntete er damit den grossen Preis der Jury, entfachte aber gleichzeitig eine Kontroverse um die Kompatibilität von Humor und Holocaust.

Im Italien des aufziehenden Faschismus machen sich der Träumer Guido (Roberto Benigni) und sein Freund Ferruccio (Sergio Bustric) auf, um in der toskanischen Stadt Arezzo ihr Glück zu suchen. Letzteres scheint sich mindestens für Guido schon bald auf romantische Weise in der Lehrerin Dora (Nicoletta Braschi, im wirklichen Leben Benignis Ehefrau) zu manifestieren. Doch diese ist mit einem faschistischen Parteibürokraten verlobt und stellt somit für den Juden Guido, unterdessen Hotelkellner, eine ziemlich grosse Herausforderung dar. Entsprechend lange dauert es auch, bis er sie erobert und schlussendlich vom Hochzeitsfest entführt. Eigentlich würde dieser Plot schon für einen Benigni-Film reichen, denn er ist reich an Ausgangssituationen für klassischen Slapstick der Ausprägung von versagenden Autobremsen, im Hut zerdrückten Hühnereiern, einem stolpernden Kellner, einem herunterfallenden Blumentopf und einer zerrissenen Damengarderobe. Die einen mögen sich totlachen, die anderen gähnen. Doch wer Benigni mag, wird diese Dinge ohnehin lieben.

Doch dies ist eben mal die Hälfte der Geschichte. Guido widmet sich inzwischen der Erziehung seines Sohnes Giosuè (Giorgio Catarini), der sich sehnlichst einen modischen Spielzeugpanzer wünscht. Als die Familie ins Konzentrationslager deportiert wird, kennt Guido nur ein Ziel: Giosuè soll vor der bitteren Realität bewahrt werden und den Überlebenskampf im KZ als Spiel erleben. Die Hauptregel in diesem Spiel ist es, sich vor Uniformierten zu verstecken, Hauptpreis soll ein echter Panzer sein.

Nur Guidos Humor und Einbildungskraft können das Kind am Leben erhalten. So kommt der Fan von Benignis Faxen auch vor diesen makabren Kulissen nicht zu kurz. Der in politischer Korrektheit ausgebildete Zuschauer erschauert kurz. Doch halt: Benigni macht sich weder über die Opfer des Holocaust lustig noch entwürdigt er diese. Der Klamauk zielt auf die Entblössung des faschistischen Wahnwitzes. Es war zu erwarten, dass die Kritik sich damit schwer tun würde. Wohlweislich sicherte sich Benigni schon vor Beginn der Dreharbeiten ab, indem er das Skript jüdischen Gruppierungen zur Begutachtung vorlegte und betonte, er wolle nicht ein historisches Dokument schaffen, sondern eine Fabel des Sieges der Kräfte der Einbildung gegen die Unmenschlichkeit, oder, in seinen eigenen Worten, «eine Art Kindergeschichte, in der das Konzentrationslager als Ort des Bösen funktioniert».

27.08.2009

4

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Kommentare

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movie world filip

vor 8 Jahren

charmante benigni.. immer hyperaktive begnini nerft mal nicht - die story ist riskant, hmour und holocaust... das esultat ist okay, aber nicht so wie vielen gesagt haben - so gut auch wieder nicht


veronicatassone

vor 11 Jahren

bei diesem film weinte und lachte ich zugleich.

abbiamo vinto papà, abbiamo vinto!!


oerkel2

vor 17 Jahren

traurig und teils witzig zugleich,geht unter die haut


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