Die Farbe Lila USA 2023 – 141min.

Filmkritik

Kleines Sprungbrett für grosse Veränderungen

Filmkritik: Eleo Billet

Es war an der Zeit, dass eine Verfilmung des Romans «Die Farbe Lila» die afro-feministischen Themen, insbesondere die spezifische Gewalt gegen afroamerikanische Frauen, unverblümt wiedergibt. In der von Marcus Gardley und Blitz Bazawule geschaffenen Version ist das gelungen, auch wenn die Kraft des Romans abgeschwächt ist.

Im Südosten der USA, Anfang des 20. Jahrhunderts, ringt Celie Harris (Phylicia Pearl Mpasi, später Fantasia Barrino) mit väterlichem Missbrauch, der Trennung von ihren Kindern und der Liebe zu ihrer jüngeren Schwester Nettie (Halle Bailey). Als ihr Vater Celie mit Mister (Colman Domingo), einem älteren, gewalttätigen Mann, verheiratet, beginnen für die junge Frau Jahre des Leidens, in denen ihr Glaube auf die Probe gestellt wird. Doch ihre Freundschaft mit den schwarzen Frauen, die ihr begegnen, ihrer temperamentvollen Schwiegertochter Sofia (Danielle Brooks) und der attraktiven Geliebten ihres Mannes, der Sängerin Shug Avery (Taraji P. Henson), ermöglichen es ihr, sich zu emanzipieren.

1985 erschien die erste Verfilmung von Alice Walkers Meisterwerk. Der Regisseur Blitz Bazawule, der nun die Geschichte von Celie nach dem Broadway-Musical modernisiert, bietet in «Die Farbe Lila» einen weitaus stärkeren afroamerikanischen Blickwinkel als die Version von Spielberg. Seine Beteiligung an Beyoncés Film «Black is King» macht sich in seiner Inszenierung der Musicalnummern bemerkbar, die er wie Live-Aufnahmen vom Broadway darstellt.

Auf heitere Szenen folgen sexuelle, körperliche und institutionelle Gewalt, allerdings ohne dass sich die Inszenierung den verschiedenen Stimmungen anpasst. Glücklicherweise bietet die Kameraarbeit von Dan Laustsen einen feinsinnigen Einblick in den Süden der USA und würdigt die schwarzen Schauspielerinnen, wie es in Hollywood noch immer selten der Fall ist. So sind Shug Averys nächtliche Ankunft im Kabarett oder ihr liebevoller Tanz mit Celie Szenen von grosser formaler Schönheit.

Die 2 Stunden und 20 Minuten lange Geschichte hätte von einer Serienadaption profitieren können. Die grossen Etappen in Celies Leben sind nicht genügend miteinander verknüpft, was die Empathie für die Heldin verringert. Letztendlich tragen die Darsteller:innen den Film und liefern allesamt grandiose Leistungen ab. Phylicia Pearl Mpasi und Fantasia Barrino, die die junge und ältere Celie spielen, geben ihr Filmdebüt mit einer wahrhaft seltenen Meisterleistung. Ebenso zeigt Halle Bailey, die Hauptdarstellerin aus «Arielle, die Meerjungfrau», hier erneut ihr Talent. Schade nur, dass für ein Musical die Lieder und Choreographien so kraftlos inszeniert wurden.

08.02.2024

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