Tom and Jerry USA 2021 – 101min.

Filmkritik

Slapstick ohne Ende

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Die zwei legendären Trickfilmfiguren, die streitfreudige Maus Jerry und die Katze Tom, ihr einfältiger Prügelknabe, werden in «Tom & Jerry» in die reale Welt versetzt, was dem Slapstick-Duo aber nicht bekommt.

Die opportunistische Kayla (Chloë Grace Moretz) erschwindelt sich mit Hilfe eines gestohlenen Lebenslaufs einen Job in einem New Yorker Luxushotel, wo sie bei der Planung der Celebrity Hochzeit des Jahres zwischen Preeta (Pallavi Sharda) und Ben (Colin Jost) helfen soll. Als jedoch die obdachlose Maus Jerry im Hotel einzieht, fürchten Hotel Manager Herr Dubros (Rob Delaney) und sein Assistent Terence (Michael Peña) um den Ruf ihres Etablissements. Als Kayla eine Katze engagiert, um den Nager vor dem grossen Ereignis zu fangen, beginnt das Katz und Maus spiel zwischen Tom und Jerry.

Tom wird von Jerry in die Luft gesprengt, er wird unter Starkstrom gesetzt oder kriegt ein heisses Bügeleisen ins Gesicht. Die streitfreudige Maus Jerry und ihr Prügelknabe, die leicht bescheuerte Katze Tom, sind Reliquien einer Zeichentrick-Welt des letzten Jahrhunderts, als es keine politische Korrektheit gab und Film und Fernsehen noch nicht für die Verrohung der Gesellschaft verantwortlich gemacht wurden. Tom und Jerry wurden in den 40er-Jahren vom Animationshaus Hanna/Barbera kreiert und tauchten zunächst als Kurzfilme im Kino auf. Ab den 70er-Jahren waren sie auch fester Bestandteil des Nachmittagsprogramms des deutschen Fernsehens und haben sich in die Herzen einer Generation vorwiegend jugendlicher Zuschauer geprügelt, die Udo Jürgens Titellied «Vielen Dank für die Blumen» wohl noch heute singen können.

Für den «Tom & Jerry» Kinofilm wurde die beiden Zeichentrickfiguren nun in die reale Welt verpflanzt. Alles, was mit den Menschen zu tun hat, also das Hotel, seine Mitarbeiter und Gäste wurden real gefilmt, während die Tiere wie Tom und Jerry, aber auch die Tauben auf dem Hoteldach oder die Elefanten, auf denen das Hochzeitspaar zur Zeremonie reitet, eine Idee, die übrigens von der überschwänglichen Hochzeit von Nick Jonas und Priyanka Chopra inspiriert worden sei, gezeichnet sind. Diese Mischung zwischen Live-Action und traditioneller 2D-Animation soll Erinnerungen an den Klassiker dieses Genres «Falsches Spiel mit Roger Rabitt» wachrufen, aber die Latte des legendären Films von Robert Zemeckis wird von «Tom & Jerry» nicht annähernd erreicht. Die Kinder im Publikum mögen sich zwar am Chaos und der Verwüstung freuen, die Tom und Jerry im Nobelhotel anrichten, aber für Erwachsene ist die Geschichte zu banal und die animierten Figuren integrieren sich nie richtig in ihre Umgebung.

Die Attraktivität von Tom & Jerry liegt in der Kürze. In sieben-minütigen TV-Folgen funktioniert der sinnlose Slapstick, der vom Regisseur Tim Story (Fantastic Four, Ride Along) als eine Art Geschwisterhass ohne Konsequenzen beschrieben wird. Die Prügelmethoden sind vielfältig, die Schmerzen kurzlebig und am Ende einer Episode ist die Welt wieder in Ordnung. Diese Formel hat den Cartoons in den 40er- und 50er-Jahren sieben Academy Awards eingebracht. Aber nun wird in diesem 91-minütigen Spielfilm der komödiantische Nonsens künstlich zu einer abendfüllenden Geschichte aufgeblasen. Die für gewöhnlich guten Schauspieler wie Moretz und talentierten Komiker wie Ken Jeong als Hotelkoch verdünnen den Slapstick nur unnötig und machen daraus eine wässrige Suppe, die uns mit einem Hungergefühl im Magen aus dem Kino entlässt.

09.08.2021

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Kommentare

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anderson65

vor 2 Monaten

Langweilig!


Patrick

vor 3 Monaten

Mit der Zeit wirken die Slapstick von Tom & Jerry etwas ermüdend und mit über 90ig Minuten etwas in die Länge gezogen,aber dennoch ist Tom&Jerry Charmant&Witzig.Fazit:Netter Familien Spass für zwischendurch,aber leider nicht mehr.Dafür gibts von Mir 3.1/2 Sterne von 5.

Zuletzt geändert vor 3 Monaten


Taz

vor 3 Monaten

Langweiliger Film, der höchstens in den Animationsszenen etwas Spass macht. Aber auch die sind nach ein paar Wiederholungen durch. Da gibt es aktuell bessere Trickfilme zum gucken.


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