La Panthère des Neiges Frankreich 2021 – 92min.

Filmkritik

Loblied der Geduld

Sven Papaux
Filmkritik: Sven Papaux

Sylvain Tesson wurde mit seinem Buch «Der Schneeleopard» bekannt, das mit dem Prix Renaudot 2019 gekrönt wurde und sich bestens verkaufte. Bühne frei für den Film, zusammen mit seinem Freund und Tierfotografen Vincent Munier. Eine Reise mit der Musik von Nick Cave und Warren Ellis durch die Gedanken und die eisige Kälte Tibets.

Im tibetischen Hochland begeben sich ein Schriftsteller, Sylvain Tesson, und ein Tierfotograf, Vincent Munier, auf die Suche nach dem Schneeleoparden. Die heikle Kunst des Anschleichens, des Spurenlesens und der Geduld, die nötig ist, um die Tiere zu erspähen. Ein von Stille geprägtes Abenteuer, in dem die unsichtbaren Präsenzen zum Nachdenken über das Ökosystem, die menschliche Spezies und das Leben im Allgemeinen anregen.

Inmitten der Hysterie unserer Welt gibt es eine unsichtbare Welt, die lebt. Eine Reise nach Tibet, aber vor allem eine Reise der Unbeweglichkeit. Ohne sich zu bewegen, sind es die Ebenen der Seele, die durch die Worte von Sylvain Tesson und durch die majestätischen Aufnahmen von Vincent Munier gezeigt werden. Eine wilde Natur, lange Märsche, eisige Kälte für zwei Abenteuergefährten auf dem Weg zum Schneeleoparden. Die Jagd nach Hinweisen, ein Durchbruch in Form eines anti-modernen Manifests über zwei Männer, die von diesen riesigen Hochebenen verschlungen werden. Auf der Suche nach einem Tier, auf der Suche nach einem Ökosystem.

«La Panthère des neiges», gedreht von der Dokumentarfilmerin Marie Amiguet, ist eine Ode an die Natur und die Kontemplation. Der Film wurde zwar als Trio gedreht, doch Amiguets unsichtbare, heikle Aufgabe ist unendlich wichtig für den Schnitt und die Tonaufnahmen. Eine Arbeit mit Rhythmen; ein geschicktes Gleichgewicht zwischen Langsamkeit und erhabenen Landschaften. Eine sinnliche Erfahrung, bevor sie ein Film ist. Eine Reise durch Tibet, die die Beziehung zwischen uns und den Tieren und der Erde im Allgemeinen zum Thema macht.

Tesson nutzt die Gelegenheit, seine Worte und seine Schriften mit den Fotos von Munier zu verbinden. Eine schöne Verbindung, ein poetischer Schwung, der sich mit dem Rennen nach einer Silhouette, einem Tier, das die beiden nicht sicher sind, ob sie es sehen werden, verbindet. Die Jagd nach einem Hirngespinst: eine Metapher für unsere Zeit? Der Film stellt Fragen und lehrt uns zu beobachten und zu warten. Die Zivilisation ist weit weg. Hier ist die Natur das Gesetz, und der Mensch kann nur knien und nicken. Eine Lektion in Bescheidenheit, eingerahmt von einer Filmemacherin und zwei Abenteurern, die mit ihrer Demut bewaffnet sind.

Übersetzung aus dem Französischen von Sven Papaux durch Zoë Bayer.

21.03.2022

4

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Kommentare

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41Diego

vor 10 Monaten

Der Film war für mich eine heftige Enttäuschung. Es war eine Selbstdarstellung der Filmemacher. Vom Schneeleoparden sieht man herzlich wenig.


Patrick

vor einem Jahr

Atemberaubende Landschafts Aufnahmen die von der Film-Kamera und der Foto-Kamera gekonnt eingefangen werden untermalt mit einem hervorragend passenden Soundtrack.Das warten auf den Leoparden braucht auch Geduld von den Kinogänger aber andererseits wird’s packend & interessant umgesetzt.


joerg_hummerjohann

vor einem Jahr

Ein Juwel!
War gestern im Kino und bin noch immer "geflashed". Unter unzähligen Naturfilmen der schönste, den ich je sah. Warum? Weil in einzigartiger Weise Ästhetik, Achtsamkeit, tiefe Gedanken, Leichtigkeit & Humor, Informationen über die Natur mit atemberaubenden Natur-Momenten verbunden werden.
Und eine grosse Motivation, die eigene Naturfotografie zu verbessern.Mehr anzeigen


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