Animal Frankreich 2021 – 105min.

Filmkritik

Den Mensch wieder an seinen Platz stellen

Filmkritik: Eleo Billet

Nach dem Erfolg seines optimistischen Dokumentarfilms «Demain», in dem er Initiativen aus aller Welt als Antwort auf soziale und ökologische Krisen ins Bild setzte, kehrt Cyril Dion mit «Animal» zurück. Ein Film, der Wissenschaft und Philosophie miteinander verbindet, um die Beziehungen des Homo sapiens zu anderen Arten zu hinterfragen. Doch obwohl der Spielfilm inhaltlich bewundernswert ist, leidet er darunter, dass er sich damit zufrieden gibt, ohne die kognitive Dissonanz seines Ansatzes zu thematisieren.

Bella Lack und Vipulan Puvaneswaran sind seit vielen Jahren Aktivisten, aber sie sehen immer noch keine grossen politischen Fortschritte zum Schutz unseres Planeten. Die beiden Teenager beschliessen, den Vorschlag von Cyril Dion anzunehmen und sich auf eine Reise zu begeben, auf der sie verschiedene Menschen und andere Lebewesen treffen.

Tausende von erstickenden Fischen, gequälte Zuchttiere, der Schrei eines Vogels, der nicht beantwortet wird, während anderswo die Kettensägen dröhnen - all diese schockierenden Bilder rufen unser primäres Unbehagen hervor und lassen uns schon in den ersten Minuten des Dokumentarfilms reagieren und aufbegehren. Nach einer halbherzigen COP26 und der Zunahme alarmierender Berichte über den Zustand der biologischen Vielfalt ist es selbstverständlich, dass der neue Film des französischen Aktivisten und Regisseurs Cyril Dion genau zum richtigen Zeitpunkt kommt, um uns daran zu erinnern, dass noch nicht alles verloren ist. Dass die Mobilisierung mit einem veränderten Blick auf die Natur beginnt, die uns umgibt und von der wir unwiderruflich ein Teil sind, trotz unserer Bemühungen, uns aus ihr herauszuziehen, um sie besser beherrschen zu können.

Der Mensch lebt nicht in einer Blase, erinnert die Ethologin Jane Goodall, die die beiden jungen Aktivisten und damit die Öffentlichkeit dazu ermutigt, Menschenfeindlichkeit und Speziesismus abzulehnen und alle Tiere liebevoll zu umarmen.

Das folgende Epos ist ein didaktisches, wenn auch fadenscheiniges Unterfangen, das von den USA nach Costa Rica, von der Schweiz nach Indien führt, um die Ursachen des Artensterbens zu erforschen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen, und um den übermässigen Fleischkonsum, die Schleppnetzfischerei, die Abholzung der Wälder, die Massentierhaltung und die Jagd anzuprangern. Allerdings lohnt es sich nicht, auf eine Wunderlösung zu warten, da selbst die konkreten Ansätze, die über individuelle Massnahmen hinausgehen, letztlich aussichtslos erscheinen, was den eigentlichen Wert des Films beeinträchtigt.

Der andere negative Punkt ist leider die Form, die sich zwar im Vergleich zu früheren Reportagen wie «Demain», die für das Fernsehen zugeschnitten war, verbessert hat, aber immer noch zu schulmässig ist und selten mit den inhaltlichen Aussagen übereinstimmt. So wird beispielsweise ein Tier selten als Individuum gefilmt, sondern eher als Beobachtungsobjekt, was der Philosophie des Dokumentarfilms zuwiderläuft. Und wenn es nicht die Voice-over-Kommentare sind, die jede Geste der Protagonisten oder der Wesen, denen sie begegnen, begleiten, ist es eine aufdringliche Musik, die verhindert, dass eine Stimmung entsteht.

Letztendlich ist dieser Dokumentarfilm weit davon entfernt, schlecht oder gar nutzlos zu sein, vor allem dank des Engagements seiner Protagonisten und ihrer inspirierenden Diskussionen, nur scheitert er mit seinem revolutionären Anspruch, mit seiner knappen Stunde und 45 Minuten und seiner sechsmonatigen Flugreise daran, sich spürbar von anderen Umweltproduktionen seiner Zeit abzuheben und erreicht nur die bereits Überzeugten.

Übersetzung aus dem Französischen von Eleo Billet durch Zoë Bayer.

04.05.2022

3

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