Police Frankreich 2019 – 98min.

Filmkritik

Zwischen Verantwortung und Pflicht

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

In Anne Fontaines Genre-Mix müssen drei Polizisten zwischen persönlicher Verantwortung, Moral und beruflichen Pflichten abwägen. Der Film ist zu formelhaft und umständlich erzählt um insgesamt zu überzeugen, verfügt aber über spannende, kammerspielartige Momente und kraftvoll aufspielende Darsteller.

Flüchtling Tohirov (Payman Maadi) soll nach Tadschikistan abgeschoben werden. An der Abschiebung sind die Polizisten Aristide (Omar Sy), Virginie (Virginie Efira) und Erik (Grégory Gadeboi) beteiligt. Auf der Fahrt zum Flughafen wird Virginie klar, dass Tohirov in seiner Heimat der sichere Tod erwartet. Die Polizisten stehen vor einem Dilemma. Widersetzen sie sich ihren Vorschriften, könnte sie das ihre Anstellung kosten. Führen sie hingegen ihren Befehl aus, machen sie sich indirekt vielleicht für den Tod eines Menschen mitverantwortlich.

Anne Fontaine („Gemma Boverry“) kann sich in ihrem 18. Spielfilm nie wirklich entscheiden in welche Richtung sie gehen möchte. Das liegt in der Tatsache begründet, dass sich der Film in zwei – thematische – Hälften teilt, die sich in Sachen Stimmung, Stil und Inhalt zu sehr voneinander unterscheiden. Zusammen betrachtet ergeben sie kein stimmiges, kohärentes Gesamtbild. Zudem vergeht zu viel Zeit, bis die Haupthandlung einsetzt.

Zunächst schildert Fontaine auf erschöpfende Weise den Alltag der Polizisten, die mit grausamen Taten konfrontiert werden. Daneben taucht sie in ihr privates Umfeld ein und lässt sie die – zum Teil exakt – gleichen Situationen erleben. Stets aus der Sichtweise eines andern (Virginie, Erik, Aristide). Jedoch entstehen bei diesem Versuch der episodenartigen Charakterzeichnung ermüdende Redundanzen.

„Police“ wechselt ab dem Zeitpunkt der Fahrt radikal seine Stimmung. Aus dem Episodenfilm und der Milieuschilderung entwickelt sich ein Thriller-artiges Kammerspiel auf vier Rädern. Dieser abrupte Wechsel wirkt zunächst etwas plump und unpassend, andererseits spielt „Police“ in den Szenen im Auto seine größten Stärken aus.

Die Situation im Wagen ist angespannt und allein an den Gesichtern der Figuren lassen sich deren differierende Sichtweisen und Ängste ablesen. Auf engstem Raum kommen vier völlig verschiedene Charaktere zusammen. Vor allem zwischen dem notorisch pflichtbewussten Erik, der um seinen makellosen Lebenslauf besorgt ist, und dem temperamentvollen, wankelmütigen Aristide (unbekümmert und ausdrucksstark: Omar Sy) entstehen Reibungspunkte.

Ein Problem ist, dass man dem Geflohenen, Tohirov, nie wirklich nahekommt. Die Innenwelt der Figur bleibt ein Rätsel. Empfehlenswert wäre gewesen, wenn Fontaine die Einführung und Etablierung der Polizisten weniger zeitintensiv und ausführlich umgesetzt und sich stattdessen mehr dem Flüchtling zugewandt hätte.

10.03.2021

2.5

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Kommentare

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gimir

vor 6 Monaten

Zwei hervorragende Schauspieler in einer aufwühlenden Geschichte. Sehenswert!


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