Nowhere Special Italien, Rumänien, Grossbritannien 2020 – 96min.

Filmkritik

Wenn der Vater mit dem Sohn …

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Uberto Pasolini erzählt, wie ein schwer erkrankter alleinerziehender Vater für seinen kleinen Sohn eine neue Familie sucht. Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film überzeugt vor allem durch die innige Beziehung seiner charmanten Hauptdarsteller, James Norton undDaniel Lemont.

Michaels Mutter ist wenige Wochen nach seiner Geburt verschwunden. Seit damals kümmert sich John allein um seinen inzwischen bald vierjährigen Sohn. Er arbeitet vormittags als Fensterputzer und unternimmt am Nachmittag etwas mit Michael. Geht mit ihm in den Park,backt mit ihm Kuchen, liest ihm Bücher vor. Ab und zu machen sie kleine Ausflüge.

Doch John ist krank, seine Kräfte schwinden, die Ärzte geben ihm nur noch wenige Monate zu leben. Weniger als die eigene vertrackte Situation beschäftigt John allerdings Michaels Zukunft. Da er selbst ein Heimkind war, möchte er seinem Sohn dieses Schicksal ersparen. Tatkräftig unterstützt von der jungen Sozialarbeiterin Shona, versucht er für Michael eine Familie zu finden, die ihn vorerst in Pflege nimmt und später adoptiert. Er möchte dabei unbedingt auf Nummer sicher gehen. Arrangiert mit in Frage kommenden Anwärtern einen Termin und stattet diesen zusammen mit Michael einen Besuch ab. Michael gegenüber deklariert er diese Treffen als Kennenlernen von neuen Freunden. Er will den Vierjährigen nicht belasten und zögert ihn über seinen baldigen Tod aufzuklären. Doch je länger John wartet, desto weniger gelingt es ihm einzuschätzen, was für Michael zukünftigdas Beste sein wird.

«Nowhere Special» beruht auf wahren Begebenheiten, in der Tradition eines realitätsnahen und engagierten britischen Sozialkinos, wie man es von Ken Loach oder Mike Leigh kennt. Zugleich schreibt sich Uberto Pasolinis Film in eine Reihe jüngerer Filme ein, welche das Wegsterben eines Elternteils offen thematisieren, zu bedenken ist hier etwa «Our Friend» von Gabriela Cowperthwaite und Matt Ross‘ «Captain Fantastic».

Der Fokus von «Nowhere Special» liegt weniger auf der dramatischen Situation, als auf der Darstellung der innigen Beziehung zwischen Vater und Sohn. Als feinfühliges und berührendes Drama lebt «Nowhere Special» dabei vor allem vom Spiel seiner beiden ungleichen, aber gleichermassen charmanten und glaubwürdigen Hauptdarsteller. Dem Briten James Norton, der unter anderem in der TV-Serie «McMafia» und Greta Gerwigs «Little Women» anzutreffen, sich hier von ungewohnt fürsorglicher Seite zeigt. Und dem vierjährigen Daniel Lemont, der in seinem ersten Leinwandauftritt durch genuine Natürlichkeit überzeugt.

02.08.2021

3.5

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Kommentare

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nicolassommer

vor 25 Tagen

Wunderbarer Film


abrakadabra5

vor 11 Monaten

Die Erkrankung des Alleinerziehenden Vaters kommt am Rande zur Sprache und gibt dadurch einen wunderbaren Einblick in eine fürsorgliche, innige und sehr liebevolle Vater-/Sohngeschichte. Empfehelnswert!


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