Drachenreiter Deutschland, Grossbritannien 2020 – 91min.

Filmkritik

Ganz und gar nicht Sparflamme

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Die deutsche Produktion Drachenreiter kann es wirklich mit den ganz grossen Animationsfilmen aus Hollywood aufnehmen. Die Animationen sind top, und die Geschichte so, dass nicht nur kleine Kinder gut unterhalten werden. Dafür bürgt schon die Vorlage von Cornelia Funke, deren Kinderbücher es auch verstehen, Erwachsenen zu gefallen.

Vor tausenden von Jahren lebten Drachen und Menschen friedlich miteinander. Doch dann wurde die Gier des Menschen zu gross und die Drachen zogen sich zurück. Nun sind sie längst vergessen. Ein neues Bauprojekt bedroht jedoch das Tal, in dem die Drachen leben. Darum macht sich der junge Silberdrache Lung zusammen mit einem Koboldmädchen auf den Weg, um den Saum des Himmels zu finden. Dies ist das sagenhafte Paradies, in dem Drachen friedlich leben. Doch Lung brauch die Hilfe eines Drachenreiters und wird vom drachenmordenden Ungetüm Nesselbrand verfolgt.

Es ist eine klassische Quest, auf die die Hauptfiguren geschickt werden. Einzelne Etappen müssen abgehandelt werden, während die Hauptfiguren daran wachsen und zu reiferen Persönlichkeiten werden. Das gilt auch für den Drachenreiter, einen Jungen, der sich als Dieb durchschlägt und erst durch die Begegnung mit Lung zu einem besseren Menschen wird. Die Protagonisten sind sehr sympathisch gestaltet. Das betrifft auch und vor allem das Design: So süss wie Lung war wohl selten ein Drache zuvor.

Drachenreiter ist ein amüsanter Film, der den Hut vor How to train a dragon zieht und später auch noch Ice Age gedenkt, wenn man eingefroren im Eis Scrat und seine Nuss sieht – oder zumindest einen engen Verwandten. Entsprechend verspielt ist der Film auch, was ein ums andere Mal auf die Spitze getrieben wird, wenn die drei ungleichen Helden auf die ungewöhnlichsten Figuren treffen. Ein besonderes Highlight ist der von Axel Stein im Ruhrpott-Slang gesprochene Zwerg, der sich als Nesselbrands Partner anbiedert, von seinem Herrn aber als Sklave gesehen wird.

Überhaupt hat der Film auch und gerade mit den Nebenfiguren viel Spass. Das gilt nicht nur für die Zwerge, sondern auch den kleinen Homunkulus, der Nesselbrand dienen muss, oder dem einen Drachen, der sich nichts lieber wünscht, als endlich gegen die Menschen in den Krieg ziehen zu können.

Die Animation ist hochwertig, die Sprachleistung der Schauspieler auch auf erstaunlich hohem Niveau – das hätte man den hier versammelten YouTube-Stars nicht unbedingt zugetraut. Alles in allem ein sehr vergnüglicher Fantasy-Film, der junges und altes Publikum gleichermassen zu unterhalten versteht.

02.10.2020

4

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