Adieu les cons Frankreich 2020 – 87min.

Filmkritik

Von Abschieden und letzten Wünschen

Lino Cassinat
Filmkritik: Lino Cassinat

Zum zweiten Mal in Folge macht Albert Dupontel den Titel seines Films zu einem Versprechen auf einen Ausweg. «Adieu Les Cons»: Tschüss, ihr Idioten – der Ton ist vorgegeben. Doch während die Cons des Titels gut persifliert werden und Albert Dupontel erneut brillant den Mangel an Empathie, den Individualismus und all das angreift, wogegen sein angeborener Sinn für visuelle Poesie hauptsächlich gerichtet ist, fehlt es dem Ganzen an Schwung.

Suze (Virginie Efira), eine schwerkranke Friseurin in den Vierzigern, muss bald sterben. Deshalb will sie unbedingt noch ein letztes Mal ihr Kind sehen, das sie heimlich zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben hat. JB (Albert Dupontel), einem genialen Informatikbeamten, der von seiner Geschäftsleitung drangsaliert wird, misslingt ein Selbstmordversuch mit einer Schusswaffe. Es kommt dazu, dass dieser misslungene Versuch bei seiner Arbeit als rachsüchtiger Mordanschlag wahrgenommen wird. Da Suze die Szene beobachtet hat, könnte sie seine Unschuld bezeugen, doch sie wird JB nur im Austausch gegen seine Fähigkeiten als Hacker und sein Wissen über die öffentliche Verwaltung helfen. Dies ist der Beginn einer rasanten Verfolgungsjagd gegen die Polizei, den Tod und die Arschlöcher.

Auch wenn es Freude macht, Dupontels Talent am Werk zu sehen, sind einige überraschende Fehlschläge festzustellen. Weniger überschwänglich und launisch als sonst, hat der Regisseur etwas Mühe, seinen Rhythmus zu finden, obwohl dies sonst ein Markenzeichen von ihm ist. Mehrere Witze bleiben auf der Strecke, weil es dem Film manchmal an Präzision fehlt und die Schnitte etwas nachlässig sind, was bei einem Dupontel erneut verwunderlich ist. «Adieu Les Cons» leidet auch unter einigen netten, aber oft anekdotischen Gag-Auftritten (Bouli Lanners ist ausgezeichnet, Kyan Khojandi und das Palmashow-Duo sind nutzlos, Terry Gilliam ist nicht der Rede wert), und unter offen gestanden konventionellen, ja sogar etwas faulen Wendungen, vor allem für jeden, der Brazil gesehen hat und den Mythos von Bonnie und Clyde kennt – die offensichtlichen Vorbilder von «Adieu Les Cons».

Dennoch wirkt die Magie immer noch, unbestreitbar. Zunächst einmal dank der tadellosen Hauptdarsteller. Nicolas Marié, ein wirklich verrückter Hund, spielt sich die Seele aus dem Leib, Virginie Efira ist ein Quell der Emotionen und Albert Dupontel, der Schauspieler, ist in olympischer Form. Zweitens, weil Albert Dupontel als Regisseur, auch wenn er den Eindruck erweckt, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, ein sehr talentierter Handwerker bleibt und selbst dann noch für Staunen sorgt, wenn er nicht über seine Grundlagen hinausgeht und sich mit kleinen Schritten begnügt. Eine einfache Feststellung drängt sich auf: Der Film ist zwar kein Magnum Opus, aber er ist der Konkurrenz weit voraus und unterhält mit Leichtigkeit, auch wenn er keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Übersetzung aus dem Französischen von Lino Cassinat durch Maria Engler.

19.12.2022

3.5

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