Lloronas Fluch USA 2019

Lloronas Fluch

Filmkritik

Kinder in Gefahr

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Unverhoffter Zuwachs für den Conjuring-Erzählkosmos! Schien Lloronas Fluch zunächst ein komplett eigenständiger Gruselthriller zu sein, stellt sich nun heraus, dass die auf einer lateinamerikanischen Legende basierende Schauermär Teil der äusserst erfolgreichen Horrorfilmreihe ist, die mit James Wans The Conjuring ihren Anfang nahm.

Im Jahr 1973 hat die in Los Angeles lebende Sozialarbeiterin Anna (Linda Cardellini) nach dem Tod ihres Ehemannes alle Hände voll zu tun, Arbeit und Mutterpflichten unter einen Hut zu kriegen. Eines Tages muss sie der in ihrer Behörde bereits bekannten Patricia Alvarez (Patricia Velasquez) auf den Zahn fühlen, die ihre beiden Söhne offenbar schwer vernachlässigt. Bei einer Wohnungsbegehung entdeckt Anna die verstörten Jungen eingesperrt in einem Wandschrank und bringt sie fürs Erste in ein Krankenhaus, wo sie in der Nacht von einer unheimlichen Präsenz heimgesucht werden. Kurz darauf findet man ihre Leichen, was Patricia zu kryptischen Bemerkungen über La Llorona (Marisol Ramirez), die weinende Frau, verleitet, die für die Tragödie verantwortlich sein soll. Anna weiss mit den Hinweisen zunächst nur wenig anzufangen, merkt irgendwann aber, dass ein böser Geist auch ihre Kinder Samantha (Jaynee-Lynne Kinchen) und Chris (Roman Christou) ins Visier genommen hat.

Lloronas Fluch kann, wie man es von den meisten Filmen des Conjuring-Universums kennt, mit einer hochwertigen Optik und einer gefälligen Ausstattung punkten. Michael Chaves, der hier sein Langfilmdebüt als Regisseur vorlegt, und Kameramann Michael Burgess tauchen den regenverhangenen Handlungsort in düstere Farben und werten manche Szenen allein dank einer dynamischen Bildgestaltung auf. Erfreulich ist zudem, dass die Macher anfangs kein Feuerwerk an krachenden Schockeffekten abbrennen, sondern durchaus um subtilere Gruselakzente bemüht sind.

Je länger der Film dauert, umso häufiger springt den Zuschauer allerdings mit einem lauten Tusch von irgendwoher das fratzenhafte Gesicht der titelgebenden Antagonistin an. Ihren Höhepunkt erreicht diese nicht sonderlich gewiefte Schreckstrategie im Finale, dessen Eskalationen leider arg vertraut erscheinen. So oder ähnlich sieht der Kampf gegen das Böse am Ende in vielen Horrorthrillern aus.

Auch wenn man den Figuren die Daumen drückt, hätte das von Mikki Daughtry und Tobias Iaconis verfasste Drehbuch emotional sicherlich noch mehr aus ihrer bedrohlichen Lage herausholen können. Gleiches gilt für die in der lateinamerikanischen Folklore verwurzelte Legende von La Llorona, deren Hintergründe angerissen werden, die letztlich aber ein austauschbarer Story-Aufhänger bleibt. Das Besondere des Fluches will sich schlichtweg nicht vermitteln – was den sechsten Beitrag im Conjuring-Kosmos zu einem Gruselstreifen ohne starke eigenständige Note macht.

14.05.2019

2.5

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Kommentare

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maennele

vor 6 Monaten

Guter Spannungsaufbau über zwei Drittel. Leider wird der Film dann im letzten Drittel durch das Auftauchen des ‚Geistheilers‘ (auch miserabel gespielt!) zerstört, da das ganze dann plötzlich in‘s Lachhafte gezogen wird! Gegen Ende des Films wird auch der ‚Geist‘ viel zu plastisch dargestellt...Mehr anzeigen


dulik

vor 6 Monaten

Ein typischer Horrorstreifen ab Stange. "Lloronas Fluch" schafft es zwar durch clever platzierte und nicht erahnbare Jumpscares hin und wieder zu schocken, der Ablauf der Handlung bedient sich aber fast ausschliesslich an schon unzählige Male gesehenen Inhalten. Somit ist der Begriff Mittelmass für diesen Film genau passend.
6.5/10Mehr anzeigen


Taz

vor 7 Monaten

Leider der erwartete, inzwischen verwässerte, Gruselfilm, der ein paar mal erschreckt, aber sonst langweilig und vorhersehbar ist.


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