The Secret - Das Geheimnis USA 2020 – 107min.

Filmkritik

Esoterik lässt grüssen

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Einzig die Anwesenheit des hilfsbereiten Handwerkers Bray ändert das Leben einer überforderten Mutter. Denn Bray hat das Prinzip des „positiven Denkens“ verinnerlicht. Das klingt befremdlich und bizarr? Ist es leider auch.

Miranda Wells (Katie Holmes) muss seit dem Tod ihres Mannes die Familie alleine ernähren. Das Geld ist notorisch knapp und das Hausdach undicht. Doch es kommt noch schlimmer: Ein Hurricane versursacht grosse Schäden, und eine teure Reparatur ist für die Familie nicht möglich. Hoffnung bringt der zuvorkommende Bray (Josh Lucas), der Miranda hilft. Bray strahlt positive Energie aus, ausserdem hat er einen guten Draht zu Mirandas Kindern. Doch er scheint etwas zu verbergen. Liegt es an dem Umschlag, der ihn überhaupt erst zur Familie geführt hat?

Regisseur Andy Tennant lässt sich bei der Entwicklung der Lovestory, die sich zwischen den Hauptfiguren allmählich entspinnt, Zeit und inszeniert nie gehetzt. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass er in subtilen Andeutungen auf die prekäre Situation aufmerksam macht, in der sich die Familie befindet. So sind Zahnarztbehandlungen ebenso wenig möglich wie der Kauf eines Laptops. Hier verweist Tennant auch auf die grosse Familienarmut in vielen Teilen der USA sowie die unzureichende Absicherung (45 Millionen Amerikaner haben keine Krankenversicherung).

Ein Problem ist, dass das Drehbuch zu viele unglaubwürdige Wendungen und Zufälle bereithält. Das beginnt bereits bei der ersten Begegnung von Miranda und Bray. Ein weiteres Beispiel: Nachdem der Hurricane das Haus zerstörte, kommt Bray vorbei, der rein zufällig Werkzeug mit sich führt und ohnehin eine Woche frei und damit die Zeit hat, sich um die Reparaturen zu kümmern. Hinter all dem steckt letztlich die Grundprämisse des Films. Denn Rhonda Byrne, die Autorin der Buchvorlage, proklamiert den Glauben an das Gute und die Kraft des positiven Denkens. Ihrer Theorie nach zieht „Gleiches Gleiches an“ und das per Naturgesetz. Zuschauer, die keinen Sinn für Esoterik und Spirituelles haben, steigen spätestens hier aus. Man kann es ihnen nicht verübeln.

Denn vor allem die Figur des Bray, der stellvertretend für diese Theorie steht und sie verinnerlicht hat, strengt ungemein an. Er ist stets überschwänglich gut gelaunt und seine an Kalendersprüche erinnernde Lebensweisheiten sind floskelhaft und gehaltlos. Oder überzogen kryptisch („Der Zufall ist Gottes Art, anonym zu bleiben“).

Im letzten Akt geht es dann viel zu rührselig und sentimental zu und her, was sich ebenso auf Tonspur widerspiegelt. Denn Tennant unterstützt die ohnehin immer tiefer in kitschige Gefilde abrutschende Handlung zusätzlich mit pathetischen Streichern und dramatisierenden Pianoklängen. Ebenso erscheint die Auflösung um Brays grosses Geheimnis zu konstruiert und an den Haaren herbeigezogen.

10.08.2020

2

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Kommentare

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julianne

vor 3 Tagen

Schöner Film wieso 2 Sterne nicht zu verstehen !! Sehr schön gemacht und gefilmt !! Josh Lucas und Katie Holmes ganz toll !! 😍😍😍


Patrick

vor 18 Tagen

Klischeehaft & Kitschig aber so müssen ja solche Movies auch sein um ein Wohlfühliges Kino~Erlebnis zu versprühen.Fazit:Romantiker kommen voll auf ihre Kosten.

Zuletzt geändert vor 18 Tagen


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