The Nest (Il nido) Italien 2019

The Nest (Il nido)

Filmkritik

Ein Touch von „Gothic“ am Locarno Film Festival

Filmkritik: Locarno Film Festival

The Nest (Il nido), der italienische Beitrag zur Crazy Midnight-Reihe am Film Festival Locarno 2019 greift auf Versatzstücke der Populärliteratur zurück und erzählt eine schaurige Geschichte um einen einsamen Jungen in einer Villa.

Während auf der Tonspur ein dunkles Rauschen zu hören ist, sehen wir in einer Totalaufnahme die altertümliche, von Nebelschwaden umhüllte "Villa dei laghi" und Holzkreuze auf dem Rasen, der sie umgibt. An diesem netten Ort geschieht bestimmt nichts Ominöses!

Natürlich ist genau das Gegenteil davon der Fall. In der abgelegenen Villa wohnt Samuel, ein querschnittsgelähmter vierzehnjähriger Junge (Justin Alexander Korovkin), mit seiner Mutter Elena (Francesca Cavallin) und einigen Bediensteten. Samuels Mutter verbietet ihm, das Anwesen zu verlassen. Stattdessen muss er strikt „das Programm“ befolgen. Woraus dieses besteht, und wieso der Junge gegen aussen abgeschirmt wird, ist unklar. Mit der Ankunft des jungen Dienstmädchens Denise (Ginevra Francesconi) interessiert sich Samuel jedoch immer mehr für die Welt ausserhalb der Villa – sehr zum Unmut der Mutter.

Thematisch und visuell schöpft der italienische Regisseur Roberto De Feo in seinem Spielfilmdebüt Il Nido – The Nest aus verschiedenen populären Quellen wie der "Gothic"-Schauerliteratur des 18. Jahrhunderts. Die zu Beginn beschriebene Szene mit der Villa könnte ebenso gut aus Bram Stokers „Dracula“ stammen. Christian, der sadistische Arzt der Villa (Maurizio Lombardi), versprüht einen Hauch Verrücktheit à la Viktor Frankenstein, und die blasse Jungfer mit pechschwarzen Haaren (in diesem Fall Denise) findet sich in jeder zweiten Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe wieder. Über die Verwendung dieser Motive hinaus zieht der Regisseur diverse Register, um geschickt die Atmosphäre seines Filmes aufzubauen, darunter Weitwinkelaufnahmen in der Villa (Kamera: Emanuele Pasquet), so dass jeweils der ganze Raum, in dem sich die Figuren befinden, im Bild sichtbar ist. Dadurch scheinen die Räume noch beklemmender und verstärken den Eindruck, dass Samuel ein Gefangener in seinem eigenen Haus ist.

All diese atmosphärischen Elemente bilden einen starken Rahmen für die eigentliche Erzählung. Leider wird De Feos Werk zum Verhängnis, dass ein Rahmen allein nicht ausreicht. Über weite Strecken gibt man sich der präzise konstruierten und unheimlichen Atmosphäre hin, doch die Stimmung alleine vermag nicht einzelne Schwächen im Drehbuch zu kaschieren. Nichtsdestotrotz konnte der italienische Regisseur auf der Piazza Grande die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich ziehen und sein zweifelsohne vorhandenes Talent zur Schau stellen.

19.08.2019

3

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