The Lighthouse Kanada, USA 2019 – 110min.

The Lighthouse

Filmkritik

Fatale Einsamkeit

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Gleich mit seiner ersten Spielfilmregiearbeit landete Robert Eggers einen grossen Wurf. Das historische Horrordrama The Witch avancierte zu einem Kritikererfolg und spielte bei relativ geringen Produktionskosten eine stattliche Summe ein. Mit der prominent besetzten, formal hochambitionierten Albtraummär The Lighthouse legt er nun ein ebenso eigenwilliges wie beeindruckendes zweites Werk vor.

Irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschlägt es Ephraim Winslow (Robert Pattinson) und Thomas Wake (Willem Dafoe) auf eine karge Insel vor der Küste Neuenglands, wo sie sich für vier Wochen um den dortigen Leuchtturm kümmern sollen. Während der erfahrene Wake die Beaufsichtigung des Lichtes zu seiner Aufgabe macht, teilt er dem Neuling Winslow Handlangertätigkeiten zu und lässt keine Gelegenheit aus, den jungen Assistenten zu demütigen. Von Anfang an herrscht eine feindliche Atmosphäre, die spätestens dann überzukochen droht, als nach Ablauf ihrer einmonatigen Schicht die Fähre wegen eines heftigen Sturms nicht auftaucht. Der sich schon vorher abzeichnende Wahnsinn bricht sich damit endgültig Bahn.

Sperrt man in einem Film Menschen auf engem Raum zusammen und lässt ihnen keine Möglichkeit, der Situation zu entkommen, greifen fast immer zerstörerische Auseinandersetzungen um sich. Robert Eggers, der zusammen mit seinem Bruder Max auch das Drehbuch schrieb, bedient hier folglich ein uraltes Spannungsmotiv und zieht dieses bis zum bitteren Ende konsequent durch. Worauf The Lighthouse hinausläuft, ist unschwer zu erkennen. Den Weg zu den unheimlichen Abschlussbildern pflastert der Regisseur jedoch mit allerlei mysteriösen und bizarren Ereignissen, die nicht selten stark symbolisch aufgeladen sind.

Seefahrermythen, an H. P. Lovecraft erinnernde Monstervisionen und schaurige Träume fliessen fortlaufend in die Konfrontation der Leuchtturmwärter ein. Nach und nach schälen sich aus den Konflikten und Diskussionen problembeladene Charakterbilder heraus, denen wiederum etwas hochgradig Exemplarisches anhaftet. Zweifellos kann man den von einer realen Tragödie inspirierten Film als eine düstere Abhandlung über toxische männliche Eigenschaften – etwa Geltungssucht und unbedingten Führungswillen – lesen.

Auch wenn der beunruhigend brodelnde Schauerstreifen The Witch insgesamt einen Tick intensiver ausfiel, erzeugt The Lighthouse von den ersten Einstellungen an ein äusserst ungemütliches Klima. Das unnachgiebig donnernde Nebelhorn, das immer wieder zu hören ist, scheint nahendes Unheil regelrecht anzukündigen. Das beinahe quadratische Bildformat macht das klaustrophobische Gefühl, auf der Insel gefangen zu sein, sofort spürbar.

Und die sorgsam komponierten, an die Frühzeit des Kinos erinnernden Schwarz-Weiss-Aufnahmen betonen die Unwirtlichkeit des windumtosten Settings. Grossen Anteil an der beklemmenden Wirkung dieser Reise in den Irrsinn haben freilich auch die beiden Hauptdarsteller, die sich mit viel Leidenschaft und erstaunlicher Schonungslosigkeit – man denke beispielsweise an eine Art Begräbnisszene – in ihre Rollen werfen.

18.11.2019

4

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