Queen & Slim USA 2019 – 132min.

Queen & Slim

Filmkritik

Power to the People

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Melina Matsoukas verlagert in ihrem Regiedebüt die Geschichte von Bonnie und Clyde in das Amerika in Zeiten der Black-Lives-Matter-Kampagne – herausgekommen ist ein romantischer Thriller, der vor allem dank einem starken Auftritt seiner Hauptdarsteller nachhallt.

Tinder sei Dank verabreden sich Slim (der aus Get Out bekannte Daniel Kaluuya) und Queen (Newcomerin Jodie Turner-Smith) für ihr erstes Date in einem Diner. Sie, eine erfolgreiche Anwältin, will sich darüber hinwegtrösten, dass ihr Mandant kurz zuvor zum Tode verurteilt wurde, er hingegen scheint ernsthaft interessiert zu sein und noch dazu Stammgast im heruntergekommenen Diner, weshalb er ihren Salat gleich mit verdrückt. Zwischen dem ungleichen Paar will es an diesem winterlichen Abend aber nicht so richtig harmonieren, weshalb Queen Slim nach dem Essen bittet, sie nach Hause zu fahren.

So weit soll es jedoch nicht kommen: Während der Fahrt wird das schwarze Paar von einem aufdringlichen Officer aufgrund einer Lappalie angehalten und kontrolliert. Irgendwann eskaliert die Situation, und der Polizist wird während eines Schusswechsels getötet. Das unfreiwillige Paar sieht keinen anderen Ausweg, als den Tatort überstürzt zu verlassen – von nun an sind sie auf der Flucht vor der Justiz. In einem türkisfarbenen Pontiac geht es in Richtung Süden: Ziel ist es, sich nach Kuba abzusetzen. Doch bis dahin ist es ein langer Weg – zwar werden die zwei für ihre Tat von der afroamerikanischen Community als schwarze Bonnie und Clyde gefeiert, doch die Polizei ist ihnen immer dicht auf den Fersen.

Die zweifache Grammy-Gewinnerin und Regisseurin Melina Matsoukas, die vor allem für ihre Musikvideos für Stars wie Beyoncé bekannt ist, inszeniert diesen Roadtrip der etwas anderen Art als Mischung aus Thriller und Liebesdrama: Mal soll mit einem dramatischen Score und Szenen der Flucht Spannung erzeugt werden, mal kann man sich als Zuschauer einlullen lassen von den von Kameramann Tat Radcliffe wunderschön eingefangenen Landschaftsaufnahmen, die durch Louisiana bis nach Florida führen oder Queen und Slim zusehen, wie sie sich trotz vieler Differenzen allmählich näherkommen. Der Wechsel in der Tonalität ist dabei häufig sehr abrupt – Drehbuchautorin Lena Waithe und Matsoukas ziehen das Ganze aber sehr selbstbewusst durch, weshalb der Film sich schlussendlich doch irgendwie harmonisch zwischen den Genres einpendelt.

Der Vergleich mit Bonnie und Clyde drängt sich natürlich auf, ist aber auf den zweiten Blick nicht wirklich konsequent – denn Queen und Slim werden anders als Bonnie und Clyde aus Notwehr und völlig unfreiwillig zu Tätern. Die komplette Flucht scheint vor dem Hintergrund, dass Queen Anwältin ist, und ihre Tat gefilmt und ins Netz gestellt wurde, deshalb ein wenig fadenscheinig. Narrativ benötigt Matsoukas diese Dramatik jedoch – auch, weil ihr Film klar politisch Stellung bezieht hinsichtlich der aufgeheizten Stimmung zwischen Justiz und der afroamerikanischen Bevölkerung. Ob sie diese mit ihrem Film nicht noch mehr anheizt, sei dahingestellt. Sicher ist, dass Queen & Slim spannende und unbequeme Fragen stellt, die nachhallen. Und das ist nicht zuletzt auch den beiden Hauptdarstellern Jodie Turner-Smith und Daniel Kaluuya zu verdanken, welche die Figuren mit einer eindrucksvollen Leistung glaubhaft machen und dafür sorgen, dass man als Zuschauer bis zum bitteren Ende mitfiebert.

11.01.2020

3.5

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Kommentare

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navj

vor 9 Tagen

„Queen & Slim“ ist ein Film über ein junges afro-amerikanisches Paar, das in Notwehr einen rassistischen Polizisten tötet und anschliessend auf der Flucht ist. Das Paar verschlägt es quer durchs Land in die unterschiedlichsten Richtungen, so ist der Film mal Gesellschaftsporträt, mal Liebesgeschichte, dann wieder ein Thriller, ohne etwas davon stimmig zu einem Ende zu bringen. „Queen & Slim“ ist erzählerisch interessant, hervorragend inszeniert und überzeugt mit grandiosen Hauptdarsteller.Mehr anzeigen


elelcoolr

vor 9 Tagen

Die Eröffnungsszene ist absolut grossartig und sehr packend. Danach weiss der Film nicht so recht, in welche Richtung er gehen möchte. Gute Darbietungen der beiden Hauptdarsteller sorgen für eine erträgliche erste Stunde. Danach kommen viele Zwischenstopps und die Handlung kommt nur sehr schleppend voran. Da es vom Tatort Filmmaterial gab, hätte ich es persönlich spannender gefunden, wäre der Fall vor Gericht verhandelt worden.Mehr anzeigen


as1960

vor 11 Tagen

Das Rassismus-Flucht-Roadmovie "Queen And Slim" erfindet das Genre sicher nicht neu. Aber die gegensätzlichen Hauptfiguren sind gleichermassen interessant wie sympathisch und lassen den Kinogängern mit ihnen mitfiebern. Besonderer Plupunkt dafür, dass auch die Kehrseite der Heldenverehrung zumindest angedeutet wird. Eine erste positive Überraschung des noch jungen Kinojahres.Mehr anzeigen


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