Midsommar USA 2019 – 140min.

Filmkritik

Heidnischer Horror

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Autor und Regisseur Ari Aster hatte mit Hereditary, einer Mixtur aus Drama und Horrorfilm, grossen Erfolg. Er gewichtete damals die Geschichte stärker in Richtung Drama und erhielt dafür grossartige Kritiken. Nun hat er versucht, mit Midsommar den Erfolg zu wiederholen – zumindest an der US-Kinokasse ist das aber nicht gelungen. Weil sich Aster als One-Trick-Pony erweist, das erneut mit einem 140-Minuten-Epos, aber wenig Narrativem punkten möchte.

Vier Studenten aus den USA begleiten ihren aus Schweden stammenden Freund in dessen Heimat. In seiner Gemeinde wird die Sonnwende mit einem mehrtätigen Fest begangen, an dem die jungen Leute teilhaben wollen. Zwei von ihnen, weil sie Anthropologie studieren und hier auf Interessantes hoffen, die anderen zum Zeitvertreib. Als sie in der abgeschiedenen Gemeinde ankommen, scheint erst alles Eitelsonnenschein zu sein. Man begegnet ihnen freundlich, integriert sie und lässt sie an allen Ritualen teilhaben – selbst an einem, das sie zutiefst schockiert und die Frage aufwirft, ob sie hier überhaupt sicher sind.

Aster biedert sich dem Horror-Genre an, agiert aber zugleich so, als würde er sich davor schämen. Als wäre sein Film mehr als „nur“ ein Horrorfilm. Weil er wie schon bei seinem Vorgänger sehr lange verweilt. Es dauert gut bis zur Hälfte, bis etwas passiert, das in einem Horrorfilm Platz hat. Bis dahin wohnt man den durchaus kuriosen Ritualen bei und reagiert darauf ebenso befremdlich wie die Protagonisten. Anders als sie hat man als Zuschauer eine Ahnung davon, was sie erwartet. Einerseits, weil die Musik bedeutungsschwanger tönt, andererseits, weil man paganistische Horrorfilme wie diesen schon zuhauf gesehen hat.

Entsprechend kann Aster auch nicht überraschen. Als Zuschauer weiss man von Anfang an, wie dieser Film enden wird – anders als bei Hereditary, der seine beiden Genre-Elemente lange vollkommen getrennt voneinander hält. Hier jedoch funktioniert das nicht, weil Aster altbekannte Tropen nutzt, die seit dem britischen The Wicker Man aus den 1970er-Jahren immer wieder zum Zug gekommen sind. Mit dem Unterschied, dass Aster den Film unnötigerweise auf 140 Minuten aufgebläht hat.

Was Midsommar zum Vorteil gereicht ist die zumindest schöne Inszenierung, die durchaus von Atmosphäre durchdrungen ist. Die Horror-Momente sind eindringlich und umso intensiver, weil sie zwar drastisch, aber auch recht kurz sind. Ansonsten hat man ein sehr schönes Ensemble am Start, allen voran die Engländerin Florence Pugh, die einmal mehr beweist, wieso sie zu den besten Schauspielerinnen ihrer Generation gehört. Midsommar ist kein wirklich schlechter Film, er ist nur bei weitem nicht so clever, wie er das gerne wäre.

30.09.2019

3

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Kommentare

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navj

vor 9 Monaten

Mit eigenwilligen Kameraführung und kunstvollen Bilder schafft Regisseur Ari Aster in „Midsommar“ eine märchenhafte Welt, die sich ins Abscheuliche verkehrt. Diese Abscheulichkeit entwickelt sich allerdings langsam, bedacht und ist wie in Ari Asters Vorgängerfilm aus dem Jahr 2018 „Hereditary - Das Vermächtnis des Grauens“ weniger auf laute Schockeffekte ausgerichtet. Trotz stellenweise kunstvoller und effektiver Alptraummomente und der überzeugenden Hauptdarstellerin Florence Pough lässt „Midsommar“ einen unbeeindruckt zurück. „Midsommar“ verfügt über viele interessante Facetten (Folklore, Horror, Tradition, Opfergabe, Folter), aber beschäftigt sich nicht intensiv mit irgendeinem seiner Themen.Mehr anzeigen


nick74

vor 9 Monaten

Hatte mir einiges erwartet und wurde leider enttäuscht, speziell zum Ende hin wird es immer schlimmer. Vielleicht hätte man am Eingang zum Kinosaal Happy Mushrooms verteilen sollen, damit der Film irgendwie Sinn macht.


Chraebu58

vor 9 Monaten

So en schmarren wir haben den saal verlassen so etwas ist einfach nicht normal
Keine spannung
Keine handlung
Alles sektenmässig
Das geld kann mann/frau sich getrost sparen


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