Magari Frankreich, Italien 2019 – 104min.

Magari

Filmkritik

Grosse Wünsche und kleine Glücksmomente

Filmkritik: Locarno Film Festival

Magari setzt als Tragikomödie über die Wirren einer Scheidungsfamilie einen berührenden und zuweilen heiteren Anfangspunkt des Filmfestivals in Locarno.

Alma wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ihre Eltern wieder zusammenfinden. Magari! Wenn doch nur! Während des von der religiösen Mutter angeordneten Fastens denkt sie zwar an Süssgebäck, sonst aber blitzen kitschige Hochzeitsbilder der getrenntlebenden Eltern als Wunschfantasien vor ihrem inneren Auge auf. Die Realität ist weniger harmonisch: Das Leben der achtjährigen Erzählfigur und ihrer zwei älteren Brüder ist geprägt vom sprunghaften Lebensstil ihrer in Paris lebenden Mutter (Céline Sallette) und vom Wankelmut ihres in Rom ansässigen Vaters (Riccardo Scamarcio). Diesem kommt der Besuch seiner Kinder wegen der harzig vorankommenden Arbeit an einem Drehbuch und seiner neuen Liebschaft (Alba Rohrwacher) eher ungelegen. Statt in die versprochenen Skiferien brechen sie in aller Hektik nach Sabaudia auf: ein italienisches Küstendorf, in dem die klobige Schneeausrüstung der drei Geschwister wohl sinnbildlich dafür steht, dass sie mit den ständig wechselnden Lebensentwürfen ihrer Eltern nur schwer Schritt halten können.

Das Regiedebüt der 1979 geborenen Italienerin Ginevra Elkann kreist um diese Wintertage kurz nach Weihnachten in der von Touristen verlassenen Ortschaft. Die Woche vergeht mit Streitereien und Liebkosungen, Mutproben und Tagträumen. Eher als dass deutliche Handlungsstränge ausmachbar wären, blättern Szenen in feinen Nuancen das Familiengefüge auf: Zarte Bande und emotionale Anspannung pulsieren in diesem leicht bizarren, aber von Liebe durchdrungenen Beziehungsnetz der Protagonisten. Es ist ein unaufgeregter Plot, der teils mit Vorhersehbarem, dann aber wieder mit überraschend Komischem und berührend Subtilem aufwartet, und von der stimmigen Besetzung sowie der poetischen Bildsprache getragen wird. Die Aufnahmen mit sanften Farbtönen, weichem Licht und fliessenden Schärfenverlagerungen evozieren eine in den 1980er Jahren angesiedelte, von Sehnsucht geprägte Kindheit.

Der Film ist nicht nur der Auftakt zur Drehbuch- und Regiekarriere der vormaligen Filmproduzentin Ginevra Elkann. Als erster Film im Piazza-Lineup des Locarno Festival 2019 markiert er auch den Start in die Amtszeit der künstlerischen Leitung von Lili Hinstin. Deren Programm soll auf der Piazza Grande mit einer Auswahl von vorwiegend jungem Filmschaffen einem möglichst generationenübergreifenden Publikum zugänglich gemacht werden. Mit Magari gelingt dies sicherlich: Es ist kein polemisches Werk, dafür überzeugt die Darstellung von grosser Sehnsucht und kleinen Glücksmomenten mit visuellem Reichtum sowie der Fähigkeit zur emotionalen Einbindung einer breiten Zuschauerschaft.

09.08.2019

4

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