God Exists, Her Name is Petrunya Belgien, Kroatien, Frankreich, Slowenien 2019 – 100min.

God Exists, Her Name is Petrunya

Filmkritik

Protest gegen Popen und Polizei

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Eine Frau bricht ein «Tabu». Sie erobert bei einem kirchlichen Ritual ein Kreuz, das Männern vorbehalten ist. Petrunya mischt ungewollt eine verknöcherte Männergesellschaft auf. Der überraschende Film aus Mazedonien nach einer wahren Begebenheit – ironisch, rebellisch und todernst.

Was wäre, wenn Gott eine Frau wäre? Wenn die männliche Selbstherrlichkeit in Frage gestellt würde, wenn Traditionen in Frage gestellt würden und Frauen aufbegehrten – gegen eine verknöcherte Gesellschaft und gegen männliche Diktate? Ein Fall, der sich 2014 im Osten Mazedoniens ereignet hat: Beim traditionellen Kreuzwerfen im Rahmen eines Dreikönigsprozesses bekam eine junge Frau das Kruzifix in die Finger und beanspruchte es für sich. Gegen alle Regeln, die nur Männern dieses Kreuz zugestehen. Frauen dürfen sich nicht aktiv beteiligen und werden nur als Publikum geduldet.

Die Filmerin Teona Strugar Mitevska aus Skopje verarbeitete den Vorfall in ihrem Spielfilm God Exists, Her Name Is Petrunya. Ein trister Ort, dieses Kaff Stip im Osten Mazedoniens. Trostlos auch für die 31-jährige Petrunya (Zorica Nusheva), die bei ihren Eltern lebt und sich vergeblich um einen Job in einer der Textilfabriken bemüht, vom Chef betatscht, erniedrigt und als ungeeignet taxiert wird – auch fürs Bett. Eher zufällig wird sie Zeugin des traditionellen Kreuzwerfens an einem eiskalten Fluss. Es ist Januar. Intuitiv, ohne sich weitere Gedanken zu machen, springt Petrunya ins Wasser und fischt das Kruzifix. Die Männer sind erbost, denn nur sie dürfen die Trophäe erobern. Doch die junge Frau ist starrköpfig, will ihre «Beute» nicht hergeben. Der Vorfall eskaliert, ruft Popen und Polizei auf den Plan. Petrunya wird einvernommen, unter Druck gesetzt, von einer Männermeute bedroht. Nur die Fernsehreporterin Slavica (Labina Mitevska), die das unerhörte Ereignis publik macht, und ein junger Polizist (Stefan Vujisic) stehen auf ihrer Seite und haben Verständnis.

Petrunya, diese gebeutelte junge Frau, wächst an ihrem Kreuz, beweist Rückgrat, lässt sich auch unter grossem Druck nicht verbiegen. Stoisch und stolz erträgt sie Verunglimpfungen, Drohungen, stellt Fragen nach Recht und Regeln, nach der Vernetzung von Polizei und Popen, stellt zementierte Kirchentraditionen in Frage, die eben nicht von Gott gegeben, sondern von Menschen gemacht wurden. Zorica Nusheva ist eine Wucht, der Film eine Offenbarung über verknöcherte Staatsstrukturen, eine repressive Männergesellschaft und ungebrochene Frauenfeindlichkeit. An der Berlinale 2019 erhielt er den Preis der Ökumenischen Jury und den Gilde Filmpreis.

15.05.2019

5

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Kommentare

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Yvo Wueest

vor 7 Monaten

Uups ... so eine gute, köstliche, auf eine reale Begebenheit basierende Startidee. Dazu Zorica Nusheva als vielversprechende Schauspielerin, die wirklich eine Leinwand füllen könnte. Doch vermutlich gab's hier wenig Führung von der Regisseurin. Damit Erstgenannte ihre Rolle im Spiel ent-wickelt. Und so taumelt unsere Geschichte wenig glaubwürdig von einer Gelegenheit zur nächsten, ohne an Tiefe zu gewinnen. Was ich vermisst habe? z.B. Statements oder eine klare Kante zum Stand der Mann-Frau Debatte in der hier portraitierten reichlich verstockten mazedonischen Gesellschaft. Oder wenigstens Klarheit, warum in aller Welt künftig auch Frauen bei diesem religiösen Nonsens im Flusswasser teilnehmen sollen.Mehr anzeigen


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