Das perfekte Geheimnis Deutschland 2019 – 111min.

Filmkritik

Zeig mir dein Handy, und ich sag dir, wer du bist

Laura Hohler
Filmkritik: Laura Hohler

In Das perfekte Geheimnis, einem Remake der italienischen Komödie Perfetti Sconosciuti zeigt der deutsche Regisseur Bora Dagtekin, dass es heutzutage kaum etwas Intimeres gibt als das eigene Smartphone.

Sieben Freunde, sieben Handys und am Schluss ist nichts mehr wie es einmal war. Eigentlich sollte es ein ganz normaler Pärchenabend alter Freunde werden. Die Psychiaterin Eva (Jessica Schwarz) und der Schönheitschirurg Rocco (Wotan Wilke Möhring) laden zum eleganten Dinner ein. Das Ehepaar Carlotta und Leo (Karoline Herfurth, Elyas M’Barek), die eine moderne und emanzipierte Beziehung mit Kindern führen, Bianca und Simon (Jella Haase, Frederick Lau), die noch auf Wolke sieben schweben und Pepe (Florian David Fitz), der ohne seine Begleitung erschienen ist, beehren die Gastgeber. Niemand ahnt, dass der Abend schon bald aus dem Ruder laufen wird.

Nach kurzem Smalltalk wird bald Ehrlichkeit Thema Nummer eins am Tisch. Den Grund dafür liefert ein abwesender Freund der Gruppe. Vor kurzem hat er seine Frau mit einer 22-Jährigen betrogen – die Runde ist entsetzt. Herausgefunden hat es die Gattin, weil sie das Handy ihres Mannes durchstöberte. Daraufhin schlägt Gastgeberin Eva ein brisantes Spiel vor: Alle Anwesenden müssen ihre Smartphones mit Bildschirm nach oben auf den Tisch legen, und sämtliche Nachrichten und Anrufe sollen laut vorgelesen werden. Wer nichts zu verbergen hat, ist auf der sicheren Seite, so die Devise. Obwohl es anfänglich einige Einwände gibt, setzt sich Evas Idee durch und das Spiel wird bis zum bitteren Ende gespielt. Ob die Paarbeziehungen den Abend schadlos überstehen, steht in den Sternen.

Drehbuchautor und Regisseur Bora Dagtekin (Fack ju Göhte, Türkisch für Anfänger) bringt mit Das perfekte Geheimnis eine unterhaltsame und starbesetzte Komödie auf die Leinwand, welche kaum zeitgenössischer sein könnte. Mit bereits vielen eingespielten Darstellern der Fack ju Göhte-Filmreihe liefert der Film leichte Unterhaltung, aber auch ernsthafte und berührende Momente. Einzig die dramaturgische Umsetzung der eigentlich originellen Idee lässt etwas zu wünschen übrig. Dass die Protagonisten quasi im Minutentakt kompromittierende Nachrichten erhalten, ist eher unrealistisch. Nichtsdestotrotz sorgen diese Szenen für die meisten Lacher.

Auch Themen wie Emanzipation und Mutterschaft streift Dagtekin bereits zu Anfang des Films, um sie später vertiefter zu behandeln. Auch die Fragen danach, was eine gute Beziehung im vernetzen Smartphone-Zeitalter ausmacht, und wie sehr wir unseren Gegenüber vertrauen, bestimmen den Ton der Komödie. Was steckt hinter den auf Hochglanz polierten Fassaden dieser auf den ersten Blick erfolgreichen und glücklichen Paare? Die Konflikte, die Dagtekin in Das perfekte Geheimnis aufwirft, betreffen nicht nur seine Protagonisten, sondern auch die heutige, moderne Gesellschaft.















































29.10.2019

3.5

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Kommentare

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ernieknolfson

vor einem Monat

ist zwar eher ein theaterstück. aber teilweise irrwitzige sätze, echt grandios getextet. aber das ende leider fade und inspirationslos.


shoshanna

vor 7 Monaten

Lustig-derb, teilweise bleibt einem das Lachen im Hals stecken...


Taz

vor 8 Monaten

Viel versprochen, nur bedingt etwas gehalten. Der Trailer hat neugierig gemacht, aber der ganze Film danach verpufft doch vielfach in plumpem Gerede.


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