Chambre 212 Belgien, Frankreich, Luxemburg 2019 – 86min.

Filmkritik

Das ganze Beziehungsgestürm in einer einzigen verzauberten Nacht

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Christophe Honoré stellt in seiner fantasievoll verbrämten Beziehungskomödie gängige Geschlechterklischees souverän auf den Kopf.

„Verliebt, verlobt, verheiratet“ heisst es im Volksmund. Danach geht der Mann zur Arbeit, die Frau bleibt zu Hause, sofern da nicht ein Postbote oder Hausfreund vorbeischaut, ist nach einigen Jahren der Mann derjenige, der fremdgeht und die Frau die Betrogene. Nicht ganz immer, aber oft, in Wirklichkeit ebenso, wie im Kino.

Bei Maria und Richard indes sind die Rollen vertauscht. Da sitzt Richard zu Hause, spielt Klavier und komponiert. Maria doziert an der Universität Rechtswissenschaft. Und wenn es sie gelüstet, lässt sie sich auf eine Affäre ein, so wie jüngst mit einem ihrer Studenten. Richard hat das bisher – wissentlich oder nicht – geduldet.

Wie er nun aber Zeuge wird, wie Maria von ihrem Lover mit einer Flut zwielichtiger Textnachrichten eingedeckt wird, stellt er sie vor die Tür. Oder vor die Wahl, was in diesem Fall das Gleiche ist. Maria quartiert sich für die Nacht im titelgebenden Zimmer 212 im Hotel gegenüber der gemeinsamen Wohnung ein.

Nun beginnt Christophe Honorés Komödie abzuheben. Dies, ohne zu deklarieren, welche Teile des nachfolgenden Geschehens Phantasie, (Alb-)Traum und/oder Wirklichkeit sind. Auf alle Fälle zieht an Maria im Laufe einer einzigen Nacht ihr ganzes verrücktes Ehe- und Beziehungsleben vorbei. Dabei tauchen nicht nur sämtliche ihrer Liebhaber bei ihr im Hotelzimmer und -bett auf, sondern auch Richards ehemals grosse Liebe, die Klavierlehrerin Irène, sowie Marias Mutter.

Letztere notabene bemerkt irgendwann süffisant, dass Maria in ihrem Leben mehr Männer gehabt habe, als alle ihre weiblichen Vorfahren zusammen. Aber auch Richard erhält Besuch von Irène. Und so wie Maria überlegt auch er in dieser einen magischen Nacht, ob er in seinem Leben vielleicht einiges besser anders entschieden hätte. Wobei er, wenn er das getan hätte, heute selbstverständlich nicht der wäre, der er jetzt ist.

Herrlich turbulent geht es in Chambre 212 zu. Dies weniger wegen den Auseinandersetzungen des Ehepaares, als vielmehr wegen den aus den Vergangenheit gerufenen Geistern. Die nämlich lassen sich so einfach nämlich nicht wieder abwimmeln, sondern geben auch Kommentare ab und greifen ab und an tatkräftig ins Geschehen ein. Klingt verrückt, und ist tatsächlich anzusehen herrlich absurd und skurril. Doch genau darin liegt der Reiz dieses Films, der in fantasievoller Leichtigkeit und mit viel Heiterkeit eine Lebenssituation durchleuchtet, die man gemeinhin eher als belastend empfindet.

17.02.2020

4

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Kommentare

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Cinephilis

vor 8 Monaten

So einen doofen Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Langweilig, keine intetessante Handlung!


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