CH.FILM

Zwingli Schweiz 2018

Zwingli

Filmkritik

Mit Herz und Courage für Gott, Menschen und Zürich

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Stefan Haupt spürt in seinem Spielfilm dem Leben und Wirken des Zürcher Reformators nach.

Zürich 1519. Eine im Vergleich zu heute winzige Stadt am Ausfluss der Limmat am Zürichsee. Stolz ragen die knapp dreissig Jahre davor erstellten Nadeltürme des Grossmünsters in den Himmel, im Fraumünster auf der gegenüberliegenden Flussseite wohnen Nonnen. Das gemeine Volk lebt von der Hand in den Mund, die höheren Stände sind betucht, die Kirche ist reich. Zum Jahresanfang tritt ein gewisser Huldrych Zwingli am Grossmünster das Amt des Leutpriesters an. Er ist 1484 zu Wildhaus geboren, hat in Wien und Basel studiert, bevor er nach Zürich kommt, war er in Glarus und Einsiedeln als Pfarrer und zwischendurch Feldprediger tätig.

Bereits in seiner ersten Messe verspricht Zwingli den Zürchern, die Bibel künftig nicht lateinisch, sondern auf Deutsch vorzulesen, sodass sie verstehen, was der Herr ihnen sagt. Dies ist bloss die erste in einer Reihe von fortschrittlichen Ideen, mit denen der Priester, der ein scharfsichtiger Denker ist und ein grosses Herz fürs gemeine Volk hat, fortan für etliche Furore sorgt. Zu seinen weiteren Einfällen, auf denen sich schliesslich die Reformation begründet, gehören, dass möglichst alle lesen können sollten, dass Gott die Menschen nicht im Fegefeuer schmoren lässt, und dass das priesterliche Zölibat ein Humbug ist: Max Simonischek (Die göttliche Ordnung) spielt diesen Zwingli ausdrucksstark als charismatischen und leutseligen Mann in seinen besten Jahren, der innerlich brodelt, aber besonnen agiert; es ist einer von Simonischeks bisher stärksten Leinwandauftritten.

Stefan Haupt beschränkt sich in seinem Film auf Zwinglis Zürich-Jahre und ergänzt die Perspektive des Titelhelden zwischendurch mit derjenigen der Frau dessen Herzens: Anna Reinhart, 1484 als Wirtstochter in Zürich geboren, bei Zwinglis Ankunft dreifache Mutter und verwitwet. Bald staunend, bald verunsichert verfolgt Anna, wie der unerschrockene Pfarrer in Zürich neue Zeiten anbrechen lässt, pflegt ihn durch die Pest und wird schliesslich seine Gemahlin. Haupt erzählt historisch akkurat. Er hat zum Teil an Originalschauplätzen gedreht und viel Aufwand betrieben, um vom spätmittelalterlichen Zürich, vor allem dem Innern des Grossmünsters, ein historisch korrektes Bild zu entwerfen; auch auf die Kostüme und Zwinglis Kappe, die man von alten Bildern kennt, wurde viel Sorgfalt angewandt. Auch wenn die eine oder andere Szene in Breughel‘sche Üppigkeit rutscht und einzelne Details ein historisch wenig bewandertes Publikum rätseln lassen, ist Haupt mit Zwingli ein durchaus prächtiger und packender Schweizer Historienfilm gelungen.

22.01.2019

4

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Kommentare

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raffaels

vor einem Monat

spannend und historisch relevant


Taz

vor 2 Monaten

Nett gemacht, bietet aber nichts aussergewöhnliches.


bruno_sternegg

vor 2 Monaten

langweilig...


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