Was uns nicht umbringt Deutschland 2018 – 110min.

Was uns nicht umbringt

Filmkritik

Grosse Probleme in einer kleinen Welt

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

17 Jahre nach Bella Martha bringt Autorin und Regisseurin Sandra Nettelbeck ihren von August Zirner gespielten Therapeuten zurück. Damals war er nicht die Hauptfigur, nun steht er im Mittelpunkt eines Ensemblestücks, das sehr schön illustriert, wie die Leben von Menschen miteinander verbunden sind, ohne dass sie es eigentlich merken.

Max ist Therapeut, der versucht, Sophie dabei zu helfen, mit ihrer Spielsucht zurechtzukommen. Er selbst ist von seiner Frau geschieden, muss sich um die aufmüpfige Tochter kümmern und hat sich einen schwermütigen Hund zugelegt. Während er noch an der Erkenntnis arbeitet, dass er drauf und dran ist, sich in Sophie zu verlieben, geht das Leben weiter – seines, aber auch das seiner Patienten und der Menschen, die deren Leben bereichern.

Was uns nicht umbringt ist ein beeindruckendes Drama, das mit Momenten leisen Humors brilliert, aber auch mit der wie ein Zahnrad ineinandergreifenden Struktur zu überzeugen weiss. In diesem Film werden die Schicksale sehr vieler Menschen gleichzeitig erzählt, aber keine Figur kommt zu kurz, egal, wie klein die Rolle auch sein mag. Wenn es ein verbindendes Thema gibt, dann vielleicht, dass man in der Mitte des Lebens alles noch einmal umwerfen muss – ob man das nun mag oder nicht. Manchmal zwingt einen das Leben, einen neuen Kurs einzuschlagen, selbst wenn das immens schmerzhaft ist.

Diesen Schmerz, den die Figuren mit sich herumtragen, kann man als Zuschauer auch spüren. Nettelbecks Figuren berühren, weil sie so ehrlich, so menschlich, so sehr wie wir alle sind, dass wir uns in ihnen wiedererkennen. Es ist meisterhaft, wie Nettelbeck diese Geschichte erzählt. Ihre Dialoge sind feingeschliffen, wirken natürlich, haben aber auch eine Aussage. In Verbindung mit einem hervorragenden Ensemble, das jede Rolle mit Leben erfüllt, ergibt sich so ein Drama, das aus dem Leben gegriffen ist, mit all den kleinen und grossen Problemen, die oft erdrückend erscheinen, aber für die es – auf die eine oder andere Art – eine Lösung gibt.

Was uns nicht umbringt ist Sandra Nettelbecks vielleicht reifster Film, der für ein durchaus älteres Publikum gemacht ist, das abseits des grossen Blockbuster-Kinos menschliche Geschichten sehen will, die sich mit Verlust und Schmerz, aber auch der unerbittlichen Gewissheit befasst, dass das Leben weitergeht – und dass man stärker aus dem hervorgeht, was man erlebt. Solange man atmet, existiert die Möglichkeit, dass sich alles ändert, und wenn schon nicht zum Guten, dann zumindest zu etwas Anderem.

15.11.2018

4

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