Der Gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch USA 2022 – 104min.

Filmkritik

Die Neuerfindung einer Legende

Maria Engler
Filmkritik: Maria Engler

Neuigkeiten aus dem «Shrek»-Universum: In ihrem zweiten Spin-Off macht sich die heldenhafte Fellnase mit dem Schuhtick endlich von dem grünen Oger unabhängig und bestreitet ein sehenswertes Einzelabenteuer. Hier verbindet sich jede Menge kinderfreundlicher Spass mit tiefgründigen Weisheiten des Lebens.

Ein ganz normaler Tag für den gestiefelten Kater: Es wird getanzt, gesungen und beeindruckend gekämpft. Leider verliert er im Kampf das vorletzte seiner insgesamt neun Leben. Ausserdem wird er plötzlich von einem unheimlichen Kopfgeldjäger verfolgt, der nach seinem letzten Leben trachtet. Der ehemals strahlende Held sieht seine letzte Rettung im legendären Wunschstern, der ihm zu acht neuen Chancen verhelfen soll. Im Rennen mit anderen, mehr oder weniger märchenhaften Kreaturen muss der gestiefelte Kater ungewohnte Wege gehen.

Knapp 11 Jahre ist es her, dass der gestiefelte Kater in seinem eigenen Spin-Off nach mehreren Auftritten in der «Shrek»-Reihe glänzen konnte. Und auch «Der Gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch» hat alles zu bieten, was das Franchise seinerzeit so beliebt machte: Zahlreiche humorvolle Querverweise in die Welt der Märchen, moderne Anspielungen, liebenswert eigentümliche Charaktere und witziges Charakterdesign.

Erhalten bleibt auch das Einbetten ernsterer Themen in eine vergleichsweise klassische Erzählung einer Schatzsuche mit ihren Herausforderungen und Umwegen. Gekonnt spielt der Film im Spannungsfeld eines Charakters, der sowohl erwachsen werden und das sorglose Leben hinter sich lassen muss, als auch seine eigene Sterblichkeit und den Wert des Lebens erkennen muss.

Hinter einer knallbunten, actionreichen und zeitweise recht albernen Oberfläche verbirgt sich eine Erzählung, die für jung und alt interessant ist. Der gestiefelte Kater wird nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern auch mit seiner Sterblichkeit, seinen Wünschen für sein Leben und mit einem bisher ungekannten Gefühl der Angst und Unsicherheit. In diesen Momenten der Panik ist der Film emotional am stärksten und präsentiert fast schon therapeutische Ratschläge: Halt finden in Freundschaft, Zulassen von Gefühlen, Genuss im Augenblick finden.

In dieser Hinsicht ist auch der Neuzuwachs im Franchise ganz besonders. Der übertrieben fröhliche Chihuahua Perro strotzt nur so vor Lebensfreude und Akzeptanz und ist ganz nebenbei immer wieder für einen Lacher gut. Mit dem neuen Bösewicht Jack Horner kommt als grösstmöglicher Kontrast mal wieder ein richtig klassischer Schurke ins Spiel, der nach Herzenslust gehasst werden kann. Anders als in vielen anderen modernen Erzählungen bekommt dieser Fiesling keine traurige Hintergrundgeschichte, die seine Bösartigkeit erklären würde – erfrischend!

Frischer Wind weht auch visuell in «Der Gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch». Neben den bekannten optischen Stärken der Reihe, wie dem Mut zu einem überaus grotesken Charakterdesign des Bösewichts, bewegt sich der Film etwas abseits ausgetretener Pfade. Sowohl in der Gestaltung der Welt, als auch in actionreichen Szenen sind Anleihen an «Spider-Man: A New Universe» deutlich sichtbar. Actionszenen profitieren von spannenden Tempowechseln und grafischen Elementen aus Comics, die Umwelt von einer skizzenartigen, malerischen Gestaltung, die sich deutlich von den glatten, perfekten Welten vieler anderer Animationsfilme abhebt.

«Der Gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch» ist eine gelungene Ergänzung zum «Shrek»-Universum, die grossartige Charaktere, gut gemachte Action, eine Menge Humor und Denkanstösse für alle Altersgruppen bietet. Die etwas vorhersehbare Geschichte wird durch eine spannende Mischung aus neuen und alten Charakteren, zahlreiche Anspielungen auf die Märchenwelt und eine interessante Optik aufpoliert. Genau das Richtige für einen Kinobesuch mit der Familie.

22.12.2022

3.5

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Kommentare

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pkhmay

vor 29 Tagen

Der Film ist ab 6 Jahren zugelassen. Pädagogisch eine absolute Katastrophe. Der Tod wird als riesiges, bösartigstes Wolfs-Monster dargestellt. Ich rate allen Eltern ab diesen Film mit ihren Kindern zu schauen die auch nur etwas Verstand besitzen. Die für uns Erwachsenen, sehr guten Hintergründe können wohl kaum auch auf ein 6 Jähriges Kind verständlich wirkenMehr anzeigen


dulik

vor einem Monat

Die Fortsetzung des gestiefelten Katers hat lange auch sich warten lassen - doch das Warten hat sich gelohnt. Der Film ist witzig und originell, vermag es aber auch, ernstere und düstere Momente zu kreieren. Hervorzuheben ist auch der markante Animationsstil, der wohl nicht Jedermanns Sache sein dürfte. Dieser ist vergleichbar mit "Spider Man: A New Universe", der aber vermutlich genau dafür einen Oscar gewonnen hat.
7.5/10Mehr anzeigen


Taz

vor einem Monat

Dem einst so witzigen Sidekick-Kater wurden in seinem zweiten Solofilm nicht nur fast alle seine Leben genommen, sondern auch sein Biss entzogen. So verkommt er hier definitiv zum zahmen Büsi, der kaum witzig ist und sich von einem hingesudelten Pflegehund die Show stehlen lässt. Die Animationen kann man mögen, sind aber in den Actionsequenzen keinefalls mehr mit denjenigen zu vergleichen, die wir aus Shrek und Kollegen kennen. Das schlägt nicht nur auf den Unterhaltungswert sondern auch auf die Optik und hinterlässt Zuschauer über 6 Jahre mit eingeschlafenem Gesicht. Dieser Kater hat nichts mehr mit dem Powerbüsi zu tun, den wir aus dem ersten Film kennen. Und dort war er schon eine schwache Version des Shrek-Kumpels. Man merkt diesem Film an, dass er eigentlich nicht für die grosse Kinoauswertung gedacht wurde. Schade.Mehr anzeigen


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