On the Basis of Sex USA 2018 – 120min.

On the Basis of Sex

Filmkritik

Als Anwältin zu emotional

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Felicity Jones als die legendäre Ruth Bader Ginsburg in Mimi Leders etwas klischierter Biografie der berühmtesten Oberrichterin der USA.

In den 50er-Jahren ist Ruth Bader Ginsburg (Felicity Jones) eine von nur neun Frauen, die an der Harvard Universität Jura studieren, wo sie unzähligen sexistischen Handlungen von ihren Professoren und Harvards Dekan (Sam Waterston) ausgesetzt wird. Auch nach Abschluss der Uni ist es ihr unmöglich, von einer Anwaltsfirma in New York angestellt zu werden. Also wird sie Juraprofessorin, träumt aber davon, vor Gericht einen Fall zu gewinnen, der ihre eigene Situation der Geschlechterdiskriminierung wiederspiegelt. Als Ruths Ehemann Marty (Armie Hammer), ein Steueranwalt, ihr von einem solchen Fall erzählt, beginnt Ginsburgs Aufstieg zur kulturellen Ikone.

In den USA ist Ruth Bader Ginsberg ein Star. Die heute 86-Jährige wurde in den 90er-Jahren von Bill Clinton als nur zweite Frau in den obersten Gerichtshof der USA ernannt. Sie hat sich ihr Leben lang in einer von Männern dominierten Welt bewährt und viel zur Gleichstellung der Geschlechter in den USA beigetragen, was ihr den an den Rapper Biggy Smalls angelehnten Übernamen «The Notorious RBG» eingebracht hat.

Felicity Jones ist gut, wenn auch etwas eintönig als ambitiöse Anwältin, die immer die klügste Person im Raum ist, aber nicht als solche erkannt wird. Ihre endlose Frustration wird in ein paar milden Familienstreitigkeiten mit Marty und ihrer Tochter Jane (Cailee Spaeny) dargestellt, die Ende der 60er-Jahre demonstriert und die Feministin Gloria Steinem und nicht ihre Mutter idealisiert. „Es ist keine politische Bewegung, wenn alle nur rumsitzen“, urteilt Jane schnippisch über den akademischen Aktivismus ihrer Mutter, der damaligen Uni-Professorin, der nur in einem Klassenzimmer stattfindet. Armie Hammer als Marty ist reizend als emanzipierter Mann einer Karrierefrau. In einer Rolle, die sonst oft der Ehefrau oder der Freundin des Helden zufällt, dient Marty in diesem Film aber weniger der Entwicklung der Story, sondern ist in erster Linie als Augenweide gedacht.

On the basis of Sex basiert auf einem Drehbuch mit vielen Fakten und wenig Mumm, geschrieben von Ginsburgs Neffen Daniel Stiepleman. Die Regisseurin Mimi Leder (Deep Impact, The Peacemaker) hatte die schwierige Aufgabe, daraus einen Film zu machen, der dieser lebenden Legende gerecht wird. Ginsburgs Auftritt am Ende lässt annehmen, dass sie dem Film ihren Segen gegeben hat. Seine Stärke liegt in den Szenen, die damalige Frauenfeindlichkeit und Ungerechtigkeiten am Arbeitsplatz zu beschreiben. Sätze wie „Frauen sind zu emotional, um Anwälte zu werden“ erregen im Publikum die Gemüter. Die Akribie jedoch, mit der in der zweiten Hälfte Ginsburgs erster Fall vor Gericht behandelt wird, macht den Film etwas trocken und langfädig.

25.02.2019

3.5

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Kommentare

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nanusch

vor 7 Monaten

B-Movie, Hollywood good feel movie, mittelmässiges Drehbuch, mittelmässige Schauspieler, kein Vergleich zum Film "Vice"! Nicht sehenswert!


selinaburri

vor 8 Monaten

Positiv überrascht!! Macht Mut! Im Kino gabs Applaus am Schluss!


HermannDrei

vor 8 Monaten

Rückständigkeit ist sehr gut aufgezeigt. Gültig nicht nur für die USA. Auch andere Länder mit gleichen Problemen. CH sehr späte Entwicklung.


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