CH.FILM

Figlia mia Deutschland, Italien, Schweiz 2018 – 100min.

Figlia mia

Filmkritik

Zwischen Fürsorge und Freiheit

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Um das Wesen von Mutter-Tochter-Beziehungen geht es in Laura Bispuris mit Handkamera gefilmtem Drama Figlia Mia. Der Film stellt sich zudem die Frage, was eine Mutter eigentlich ausmacht.

Die neunjährige Vittoria (Sara Casu) wächst bei ihrer fürsorglichen Mutter Tina (Valeria Golino) in einem Dorf auf Sardinien auf. Tina besucht immer wieder eine Frau namens Angelica (Alba Rohrwacher) auf ihrem Hof. Angelica ist so ganz anders als Tina: mutig, wild und abenteuerlustig. Tina will jedoch vermeiden, dass sich ihre Tochter mit Angelica anfreundet. Als die in prekären Verhältnissen lebende Angelica kurz davor steht, ihren Hof zu verkaufen und aufs Festland zu ziehen, unterstützt Tina die Umzugspläne sogar finanziell. Doch so leicht wird Tina ihre „Konkurrentin“ nicht los. Denn irgendetwas scheint Angelica und Vittoria miteinander zu verbinden.

Figlia Mia ist das zweite abendfüllende Werk der Italienerin Laura Bispuri, die zuvor einige Kurzfilme inszenierte. Figlia Mia lief bei der Berlinale 2018 im Wettbewerb um den Goldenen Bären, was ihr bereits mit ihrem Debütfilm gelang: Schon Vergine giurata feierte vor drei Jahren seine Weltpremiere in der wichtigsten Sektion der Berliner Filmfestspiele. Hauptdarstellerin Valeria Golino (Frida) kehrt nach vierjähriger Pause wieder auf die grosse Leinwand zurück.

Zwei völlig unterschiedliche Frauenfiguren buhlen in Figlia Mia um die Gunst der kleinen Vittoria. Da ist zum einen Tina, eine behutsame Mutter, die Vittoria abgöttisch liebt und dem aufgeweckten Mädchen Sicherheit bietet. Jedoch scheint sie Vittoria mit ihrer Zuneigung auch die Luft zum Atmen zu nehmen. Ganz anders Angelica, die immer mehr Zeit mit Vittoria verbringt. Regisseurin Bispuri legt die unangepasste, exaltierte Frau als unkonventionelle Aussenseiterin an.

Durch die Ambivalenz der beiden Frauen bezieht Figlia Mia einen Grossteil seiner Spannung, da hier nicht nur zwei widersprüchliche Charaktere um Vittoria werben. Es sind gleichsam zwei völlig unterschiedliche Lebenseinstellungen und -weisen, zwischen denen sich das Mädchen letztlich entscheiden muss. Jedoch übertreibt es Bispuri mit der Freiheitsliebe, Exzentrik und Offenheit Angelicas zuweilen. Da fällt es dann auch nicht immer ganz leicht, Vittorias Begeisterung für Angelica nachzuvollziehen. Eine Frau, die sich einer vulgären Sprache bedient und ein lasterhaftes Leben zwischen Alkohol und flüchtigem Sex führt.

Toll sind hingegen die sonnendurchfluteten, schwülen Bilder der schroffen Landschaften Sardiniens, die sich durch den Film ziehen. Und durch die Entscheidung, diesen mit Handkamera zu drehen, kommt man nicht nur den Figuren stets sehr nah. Es entsteht so zudem ein hoher Realismus, der dem Film etwas Dokumentarisches verleiht.

14.08.2018

3

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