Blaze USA 2018 – 124min.

Blaze

Filmkritik

Gewinnender Verlierer

Filmkritik: Walter Rohrbach

Das Biopic über einen bisher unbekannten Singer-Songwriter ist eine musikalisch unterlegte Tragödie gegen die Bürgerlichkeit und ein starkes Plädoyer für die Verlierer: Ein Künstler am Scheideweg zwischen Höhenflug und Absturz. Blaze ist ein gelungener Film mit Überlänge, die man gerne in Kauf nimmt.

«I'm goin' down to the Greyhound station. Gonna get a ticket to ride. Gonna find that lady with two or three kids. And sit down by her side», singt eine rauhe, verletzliche Männerstimme aus dem Off. Vielleicht sehnt sich der singende Country-Musiker nach mütterlicher Nähe und Geborgenheit oder sucht nach bürgerlichem Halt in seinem unstetigen Leben – mag der Zuschauer bei der Betrachtung der Einleitungsszene denken. Die Zeilen stammen vom Singer-Songwriter Blaze Foley (mit bürgerlichem Namen Michael David Fuller), der in der Film-Biographie Blaze von Ethan Hawke, die das Leben, Lieben und das stille Aufbegehren dieses aussergewöhnlichen Country-Musikers zeigt, eindrücklich porträtiert wird.

Blaze Foley führte ein untypisches Leben, ideal für eine Verfilmung – mag man denken. Allerdings ohne von übermässigem Erfolg beschenkt oder von grossen Schicksalsschlägen gehindert worden zu sein. Es ist eher sein Lebensstil, der sich nicht nach dem bürgerlichen Schema vollzog, der die Menschen fasziniert; Wahrscheinlich ist in diesem «Unorthodoxen» der Grund für die vielen Mythen und Legenden, die seinen Werdegang schmücken, zu finden.

Allerdings hätten sich ihm Gelegenheiten geboten, sich vom Weg in tiefergehende Abgründe zu entfernen. Zur Musik ermutigt wurde er von seiner Frau Sybil Rosen, die seinem Leben für eine gewisse Zeit Stabilität und Ruhe gab und in Blaze überzeugend von Alia Shawkat gespielt wird. Ebenso ist mit der Besetzung von Blaze Foley mit dem Country- und Bluessänger Benjamin Dickey eine exzellente Wahl getroffen worden: Dickey vermag die Charakterzüge des Aussenseiters und Eigenbrötlers von Blaze – der oft auch obdachlos war und nie einer geregelten Arbeit nachging – mit einer unglaublichen Natürlichkeit zu verkörpern.

Die Geschichte von Blaze wird mit einem wilden Puzzle von retrospektiven Sequenzen erzählt, die aber irgendwie doch ein erstaunlich konsistentes Bild ergeben. Der Film überzeugt durch seine Rauheit und Natürlichkeit: Gefühle und Emotionen werden weder pathetisch umschrieben noch mit unnötigen Umschweifen erklärt, sondern authentisch gezeigt. Das funktioniert sowohl im Porträt der Liebesgeschichte als auch in der unsentimentalen Darstellung der Vater-Sohn-Beziehung. Schlecht aufstossen könnten dagegen die vielen Musikeinlagen und die sich einschleichende Langatmigkeit. Insgesamt aber ist Blaze ein mehr als gelungener Film, der sich vor ähnlichen Filmen dieses Genres – beispielsweise Inside Llewyn Davis oder Crazy Heart – nicht verstecken muss. Damit reiht sich Blaze in die Reihe von Filmen ein, die beweisen, dass Porträts über melancholische «Loser» spannender sind als solche über aalglatte Gewinner.

30.08.2018

4

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