Amin Frankreich 2018 – 91min.

Amin

Filmkritik

Entwurzelt zwischen zwei Welten

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Ein Immigrantenschicksal: Amin, Flüchtling aus dem Senegal, hat in Frankreich Arbeit gefunden. Seine Familie lebt vom Geld, das er in der Fremde verdient. Amin leidet und verliebt sich in eine Französin. Philippe Faucon, Filmer mit marokkanischen Wurzeln, beschreibt die Zerrissenheit und Sehnsüchte eines Flüchtlings – eindrücklich und eindringlich.

Menschen auf der Flucht sind ein alltägliches Thema geworden, das viele nervt, und das sie radikal erledigen möchten. Abschotten, abwehren, verhindern heisst dann die Devise von den USA bis Europa. Weniger hört oder sieht man von den Menschen, die Aufnahme und Arbeit fanden fern der Heimat. So einer ist Amin (Mustapha Mbengue), ein Immigrant (oder Wirtschaftsflüchtling, wie einige sagen würden) aus dem Senegal.

Er ist in Frankreich gelandet, hat Arbeit gefunden. Rackert sich ab auf dem Bau, hilft bei Aus- und Umbauten. Überstunden gehören zum Alltag. Er lebt und malocht für seine Familie, daheim im Senegal, für seine Frau Aïcha (Marème N'Diaye) und seine drei Kinder. Sie sind von seinem Lohn abhängig. Einmal im Jahr kann er sie besuchen. Andere Kumpels wie Abdelaziz (Noureddine Benallouche) aus Marokko führen sozusagen ein Doppelleben mit zwei Familien – hier in Frankreich und dort in Afrika.

Amin fristet ein ödes Dasein, entwurzelt, einsam, desillusioniert. Bei Arbeiten in einem schmucken Haus begegnet er Gabrielle (Emmanuelle Devos), der Hausherrin. Sie behandelt ihn freundlich, sucht seine Nähe, macht ihm leise Avancen. Amin hält anfangs Distanz, fühlt sich geschmeichelt, verliebt sich. Amin, der Immigrant, hin- und hergerissen zwischen der Heimat und Familie einerseits, der Arbeit, dem Verdienst in der Fremde andererseits, steht für viele Menschen im Exil. Einsamkeit und sexuelle Not hier, Verpflichtung und Verantwortung dort.

Dem Regisseuren und Drehbuchautoren Philippe Faucon und seinen Co-Autoren Yasmina Nini-Faucon und Mustapha Kharmoudi gelingt es eindrücklich, diese zwei Welten – das Ursprungsland und das «Neuland» – und die unterschiedlichen Schicksale der krampfenden Männer und der zurückgelassenen, abhängigen Frauen zu verknüpfen und tiefgründig zu schildern. Das wirkt alles sehr authentisch, weil schmucklos und ungeschminkt. Die Nöte, Probleme oder Hoffnungen werden nicht verbal ausgebreitet und zerredet, sondern spielen sich über Gesichter und Gesten ab. Ein empathisches Migrationsdrama – sehr menschlich und einsichtig.

09.04.2019

4

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