The Bookshop Spanien 2017 – 110min.

The Bookshop

Filmkritik

Kampf um den großen Traum

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Das einfühlsame, nachdrücklich gespielte Drama «The Bookshop» erzählt von einer mutigen Frau, die mit ihrem kleinen Buchladen eine Küstenstadt gegen sich aufbringt.

Florence Green (Emily Mortimer) zieht Ende der 50er-Jahre in das Küstenstädtchen Hardborough und eröffnet ihren eigenen Buchladen – ein lange gehegter Wunsch. Im Ort jedoch beäugt man die Zugezogene kritisch. Vor allem die wohlhabende Violet Gamart (Patricia Clarkson) stört sich an Green und ihren Büchern. Einen Seelenverwandten findet Florence einzig in Edmund Brundish (Bill Nighy), der sein Haus nie verlässt. Er lässt sich von Florence stets die neuesten Bücher liefern und lädt sie zu sich zum Tee ein. Dies sorgt im Ort für allerlei Gerüchte.

The Bookshop basiert auf dem gleichnamigen Roman von Penelope Fitzgerald, der 1978 erschienen ist. Ein Jahr zuvor schrieb die frühere Lehrerin – im Alter von 61 Jahren – ihren ersten Roman. Die nur dreieinhalb Millionen Dollar teure Verfilmung wurde von der Spanierin Isabel Coixet inszeniert, die 2003 mit dem Drama My life without me international bekannt wurde.

The Bookshop ist ein betont ruhig inszenierter Film in gemächlichem Erzähltempo, der die Geschichte einer resoluten Einzelkämpferin erzählt. Emily Mortimer ist wie geschaffen für die Rolle dieser tapferen, starken Frau, die allen Widerständen trotzt. Mortimer verleiht ihrer Figur dabei eine gehörige Portion Würde und Standhaftigkeit. Denn Florence gilt mit ihrer Liebe zum gedruckten Wort als Außenseiterin. Das gleiche gilt für den vom großartigen Bill Nighy verkörperten Einsiedler Edmund Brundish.

Zwischen Green und Brundish entstehen allmählich Gefühle. Doch wer befürchtet, dass der Film in allzu seichte, kitschige Lovestory-Gewässer abdriftet, liegt falsch. Denn die Gefühle der Beiden werden stets nur angedeutet. Und überhaupt verläuft ihre Annäherung alles andere als konventionell: über einen langen Zeitraum kommunizieren sie nur über Briefe und tauschen sich darin über Literatur aus. Im Film vergehen fast 50 Minuten, bis sie sich das erste Mal treffen und gemeinsam im Bild zu sehen sind.

Trotz seiner simplen Story und der wenig überraschenden Einteilung in „Gut“ und „Böse“ – (Patricia Clarkson überzeugt dennoch als ebenso durchtriebene wie einflussreiche Generalsgattin) – kommt bei The Bookshop keine Langweile auf. Das liegt unter anderem an den unerwarteten bis hochdramatischen Wendungen (gerade am Schluss), die jede Eintönigkeit im Keim ersticken. Zudem wächst einem die Hauptfigur derart ans Herz, dass man ihrem Kampf um den Erhalt des Geschäfts gebannt folgt. Die stimmungsvollen Kulissen (gedreht wurde in der malerischen nordirischen Stadt County Down) und die authentischen Ausstattungsdetails, die den Geist der 50er-Jahre atmen, tun ihr Übriges.

04.04.2018

4

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Kommentare

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Fred von Bern

vor 2 Monaten

Das ist ein Film, der duch die Dialoge und Zwischentöne lebt. Auch die Bildsprache ist sehr ansprechend. Ich kann den Film empfehlen.


selinaburri

vor 3 Monaten

Fand ich sehr flach!


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