Barbara Frankreich 2017 – 97min.

Filmkritik

Liebeserklärung an eine Diva

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Mit Barbara setzt Regisseur Mathieu Amalric zwei glamourösen, großen französischen Künstlerinnen ein filmisches Denkmal: der Schauspielerin Jeanne Balibar und der Chansonsängerin Barbara.

Yves (Mathieu Amalric) erkennt in Brigitte (Jeanne Balibar) die Idealbesetzung für die Hauptrolle in seinem nächsten Werk. Denn Brigitte ist ebenso divenhaft, stylisch und elegant wie die Hauptfigur seines Films: die 1997 verstorbene Chansonsängerin Barbara, die in Frankreich jedes Kind kennt. Yves ist besessen von der Sängerin, seitdem er sie als Jugendlicher traf. Im Laufe der Dreharbeiten wächst Brigitte immer mehr in ihre Rolle hinein.

International bekannt wurde Barbara 1970 mit ihrem Lied „L’aigle noir“. Bevor sie im Alter von 67 Jahren einem toxischen Schock erlag, war sie eine der führenden AIDS-Aktivistinnen Frankreichs. Barbara erlebte seine Weltpremiere im Mai 2017 bei den Filmfestspielen in Cannes. Es ist die sechste Regiearbeit von Schauspieler und Filmemacher Mathieu Amalric (Ein Quantum Trost).

Amalric versteht seinen Film nicht nur als leidenschaftliche Liebeserklärung an Barbara. Ebenso ist er eine Hommage an seine Ex-Frau, Jeanne Balibar, die er hier stilvoll und in formvollendeten Bildern in Szene setzt. Und: der er die Rolle der Diva auf den (schmalen) Leib schneiderte. Balibar ist selbst als Sängerin erfolgreich und so ist sie in Barbara immer wieder selbst zu hören, anstatt nur ihre Lippen synchron zu Barbara-Chansons zu bewegen.

Doch die Verschmelzung der Figuren geht noch weiter. Balibar, Brigitte und Barbara (sowohl die echte als auch die von Brigitte verkörperte) werden praktisch zu ein- und derselben Person. Dies liegt unter anderem daran, dass sich Balibar und Barbara unheimlich ähnlich sehen. Sie eint zudem eine beachtliche Bühnenpräsenz, eine unerhört charismatische Ausstrahlung und die zeitlose Eleganz. Dies macht Balibar tatsächlich zur idealen Besetzung der Brigitte, die wiederum perfekt in die Rolle der legendären Sängerin passt. Klingt kompliziert, ist es auch.

Denn der eigentliche Clou ist, dass man als Zuschauer irgendwann nicht mehr weiß, wen man sieht: Jeanne Balibar als Brigitte? Brigitte als Barbara? Oder die echte Barbara? Amalric wechselt ständig zwischen Archivmaterial der echten Barbara, Filmszenen des Films im Film und Aufnahmen der „normalen“ Gegenwartshandlung um Brigitte. Das gelingt derart fließend und ist so kunstvoll geschnitten und miteinander verwoben, dass es einem die Sprache verschlägt. So wird Barbara zu einer unkonventionellen Künstler-Biografie, die nicht einfach nur Lebensstationen abarbeitet. Vielmehr versucht der Film Emotionen zu wecken, was ihm durch die stimmungsvollen Chansons und die berauschend aufspielende Hauptdarstellerin problemlos gelingt.

16.03.2018

5

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