CH.FILM

Trading Paradise Schweiz 2016 – 78min.

Trading Paradise

Filmkritik

Die Schweiz als Bösewicht

Leslie Leuenberger
Filmkritik: Leslie Leuenberger

Die Bewohner der Mufulira Region in Sambia nennen ihn Senta – der böse Wind. Senta verschmutzt die Luft, zerstört die Maisplantagen, zerfrisst das Wellblech der Häuserdächer und macht die Menschen Mufuliras krank. Senta ist der hochgiftige Schwefeldioxid-Dampf, der die Mopani-Kupferfabrik –Tochter der Glencore-Xtrata – in grossen Mengen ausstösst. „Wenn Senta in der Nacht durch das Dorf zieht, ersticken Menschen im Schlaf“, sagt Maggeret Chsanga Waya eisern in die Kamera. Sie steht vor ihrem Haus, das so aussieht als würde es jeden Moment zerfallen. Im Hintergrund sieht man wie die dicken Dampfschwaden gen Himmel strömen.

Es ist eine von vielen schwer verdaulichen Geschichten, die Daniel Schweizer in seinem Dokumentarfilm Trading Paradise aufgreift. Der Filmemacher sprach unter anderem mit Bäuerinnen in den peruanischen Anden und mit indigenen Völkern im Amazonasbecken. Was sie verbindet: Sie sind Opfer von Schweizer Rohstoffriesen. Konzerne wie Glencore und Vale stehen in der Kritik, in den Abbauländern intransparent zu operieren, gegen Menschenrechte zu verstossen und für die verursachen Umweltschäden keine Verantwortung zu übernehmen. Dank dem Sitz in der Schweiz zahlen die Firmen wenig Steuern, profitieren vom starken Finanzplatz und der schwachen Regulierung. Schweizer stellt in Trading Paradise das Image der Schweiz in Frage. Er gibt den Opfern eine Stimme, konfrontiert aber auch die Konzerne. Die Aussagen von Glencore-CEO Ivan Glasenberg kann man in Kontrast mit den Bildern aus Sambia jedoch kaum ernst nehmen.

Schweizer ist bekannt dafür, sich in seinen Filmen politisch unbequemen Themen anzunehmen. Bekanntheit erlangte er durch seine Trilogie über Rechtsextreme (Skin or Die, Skinhead Attitude, White Terror). Seit einigen Jahren widmet sich der Westschweizer den Problematiken im Rohstoffsektor. Nach Dirty Paradise und Dirty Gold War bildet Trading Paradise den Abschluss dieser Trilogie.

In Trading Paradise zwingt uns Schweizer hinzuschauen, eben dann, wenn wir die Augen lieber verschliessen würden. Die Geschichten, die Bilder, die Fakten – sie schockieren. Schweizer berücksichtigt viele unterschiedliche Seiten. Genau da liegt aber auch das Problem des Films: Bei der grossen Anzahl an Protagonisten und Schauplätzen und dem vielen Hin und Her geht oft die Orientierung verloren. Die Menge an Zahlen und Fakten überfordert zeitweise. Dennoch, Trading Paradise ist ein wichtiger Beitrag zur Debatte und allein deshalb sehenswert.

18.09.2017

4

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