On the Milky Road Serbien, Grossbritannien, USA 2016 – 125min.

On the Milky Road

Filmkritik

Ein fantasievolles Feuerwerk

Théo Metais
Filmkritik: Théo Metais

Dank Filmen wie Papa ist auf Dienstreise, Die Zeit der Zigeuner, Arizona Dream, Underground, oder auch Schwarze Katze, weisser Kater von 1998 hat sich Emir Kusturica zur symbolträchtigen Figur eines Genres profiliert, dessen einziger Repräsentant er ist. Der serbische Regisseur steht demzufolge auch weniger enthusiastischen Kritikern gegenüber, meldet sich dieses Jahr aber mit On the Milky Road zurück: Eine Geschichte über die Spiritualität und die Liebe in einem Dorf, das von Bomben eingesperrt ist.

Die Hauptperson dieser Geschichte verkörpert Kusturica gleich selbst: Als Soldat Kosta bringt er jeden Tag auf dem Rücken eines Esels die Milch an die Front. Er ist Lille versprochen (gespielt durch Sloboda Micalovic) aber dieses Vorhaben wird durch die Ankunft einer italienischen Frau auf der Flucht in Gestalt von Monica Bellucci auf den Kopf gestellt. Aus ihrem Kennenlernen entsteht eine leidenschaftliche Liebe, die es geheim zu halten gilt: Die zwei illegal Verliebten werden zum Opfer einer Jagd aus allernächster Nähe.

Ohne kurze Umschweife entführt uns Kusturica vom ersten Bild an in die fantastische Magie seines Universums: Er hat diese klangvolle, einzigartige und poetische Erzählweise. Das Zusammenspiel von Lärm und Geräuschen komponiert rund um die Bomben ein Tamtam und bietet einen meisterhaften Zugang zum Film. Dann kommt diese genial verrückte Szene von der Pendeluhr und mit der Theatralität seines finalen Vorhabens beweist uns der Regisseur im Stil von Sergio Leone, dass er sehr wohl der Emir des Balkans ist. Die Bilder strahlen eine durchdringende Vitalität aus und die Besetzung hält bis zur noch so kleinsten Rolle einen wundersamen Einfallsreichtum bereit. In diesem Zusammenspiel wirkt lediglich Monia Bellucci, ohne wirklich etwas falsch gemacht zu haben, manchmal etwas fehl am Platz.

Die Schwierigkeit für Regisseure mit solch einem hysterischen und ausschweifenden Stil wie jenem von Kusturica ist dann auch: Wie kann man sich selbst treu bleiben und dennoch überraschen? Mit On the Milky Road hat der zweifache Gewinner der Goldenen Palme in Cannes erneut seinen Schlüssel zum Erfolg inszeniert: Die Absurdität des Krieges, die Schönheit des Balkans, der magische Realismus und ein poetisches Chaos. Nichtsdestotrotz zieht sich die Erzählung des Filmes vor allem in der ersten Hälfte in die Länge, wobei der Film fast überladen ist mit Fantasie. On the Milky Road ist damit ohne Zweifel nicht der beste Film von Kusturica, bietet aber eine gute Gelegenheit, den Regisseur zum ersten Mal zu erleben - dennoch werden die Fans wohl dennoch werden die Fans wohl die sonst so typische Balance zwischen Hysterie und Fantasie vermissen.

20.09.2017

3

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Kommentare

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299711

Zu viele brutale Szenen!

On the Milky Road 1

Yvo Wueest

Wer noch nichts von Kusturica gesehen hat: hingehen! Wiederholungstäter, so wie wir, störten sich an Überlängen und too much animation. Genial hingegen und voll im Saft: Sloboda Micalovic. Dazu lärmende Balkanbeats, beigesteuert von Stribor, Musiker und Sohn des Regisseurs. Sicher ist: Milchsoldat Kosta, aka Kusturica, steht seinen (Balkan-)Mann. Kein Wunder, verteilt er zärtlich - vermeintlich ohne Animationstechnik- einem überraschend gut gelaunten Bären seine Orangeküsse ...

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