The Apparition Frankreich 2016 – 140min.

The Apparition

Filmkritik

Die Offenbarung der Erscheinungen

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Der 18-jährigen Anna soll mehrfach die Jungfrau Maria erschienen sein. Gläubige pilgern zu ihr in die französischen Alpen. Der Vatikan setzt eine Untersuchungskommission ein, zu der auch der unabhängige Journalist Jacques berufen wird. Er hat so seine Zweifel. Xavier Giannolis Spielfilm zeichnet sich durch kriminalistische und psychologische Qualitäten aus und hat keine missionarischen Ansprüche.

Heilige gibt es seit Jahrhunderten, seit es die katholische Kirche gibt. Ihre Wirkungsstätten, Gräber, Reliquien werden verehrt. Gläubige pilgern zur Schwarzen Madonna von Einsiedeln oder zur Madonna Del Sasso bei Locarno, zu Kirchen und Kapellen. Die Katholische Kirche hat freilich ein Auge auf potenzielle Heilige und Menschen, die Wunder bewirkt haben sollen.

So ein Fall ist die 18jährige Novizin Anna (Galatea Bellugi): Ihr soll mehrmals die Jungfrau Maria erschienen sein, und Anna soll heilsame Kräfte besitzen. Der Pilgerstrom in das französische Alpendorf schwillt an und das Medieninteresse wächst. Rom, sprich der Vatikan, sieht sich gezwungen, den potenziellen Heiligenfall zu untersuchen. Eine Kommission wird berufen, die durch einen Aussenstehenden verstärkt werden soll – den Kriegsreporter Jacques (Vincent Lindon).

Jacques wundert sich und willigt ein. Die Kommissionmitglieder sind skeptisch, einerseits hinsichtlich der jungen Novizin, andererseits gegenüber dem Journalisten. Schnell erkennt Jacques, dass es hier um mehr als die Beurteilung einer Visionärin und Marienverehrung, um Glaube und Wahrheit geht, nämlich um irdische Interessen, Medienwirksamkeit und Vermarktung. Anna hat sich einspannen lassen, geführt von ihrem «väterlichen» Pfarrer-Patron (Patrick d'Assumçao) und verführt vom TV-Aktivisten Anton (Anatole Taubman). Anna ist zerrissen. Ihre Offenbarung setzt die Erscheinungen in ein anderes Bild.

Xavier Giannolis religiöses Epos entpuppt sich als Seelendrama mit kriminalistischen Touch, in dem die junge Galatea Bellugi eine hinreissende schauspielerische Leistung bietet und Anatole Taubman als lästiger Medienmann bestens zur Geltung kommt. Aufgeteilt hat Giannoli seinen Spielfilm in sechs Kapitel – von «Rom» bis zur «Offenbarung» und «Mériem» in Afrika. Er konzentriert sich auf das Verhältnis Jacques – Anna; die Frage nach den Erscheinungen, der Anbetung und der entsprechenden Kommerzialisierung treten in den Hintergrund. Annas Leid und Doppelleben werden zum Kernpunkt und führen zu einer Auflösung, die etwas wundersam scheint. Der Film windet sich, verwirrt auch, eh er zum Kern der Geschichte, der Verhältnisse gelangt. Manche Fragen des Erscheinungsfalls L'apparition verlieren sich, etwa was die Kirche und ihre Rolle bei Pilgern spielen, wie man Wahrheiten und Wirklichkeiten menschlich-administrativ erfassen kann. Letztlich drängt das Sein den Schein zurück.



24.05.2018

3

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