Free Fire Frankreich, Grossbritannien 2016 – 90min.

Free Fire

Filmkritik

Mit der Kugel durch die Wand

Thomas Hunziker
Filmkritik: Thomas Hunziker

Selten hat ein Film einen so treffenden Titel wie Free Fire. Dieser knapp 90-minütige Actionfilm beinhaltet nicht viel mehr als eine ausgedehnte Schiesserei zwischen Kriminellen. Das ist zwar nicht besonders originell, aber immerhin konsequent umgesetzt und fürs Zielpublikum durchwegs befriedigend.

Schauplatz: eine verlassene Lagerhalle in Boston im Jahr 1978. Zwei Männer aus Irland (Cillian Murphy, Michael Smiley), sehr wahrscheinlich von der IRA, und ihre beiden unterbelichteten Gehilfen (Enzo Cilenti, Sam Riley) wollen schlagkräftige Waffen kaufen. Angeboten werden diese von einem grossmäuligen Südafrikaner (Sharlto Copley), seinem Assistenten (Babou Ceesay), zwei ebenfalls nicht allzu cleveren Assistenten (Noah Taylor, Jack Reynor) sowie einem bärtigen Verbindungsmann (Armie Hammer). Eingefädelt wurde der Deal von der hübschen Justine (Brie Larson). Der Haken: die beiden Parteien können sich nicht ausstehen, anstatt M16 wurden AR70 geliefert, und zu allem Übel sind zwei der Gehilfen schon vorgängig aneinandergeraten. Wie es der Titel des Films bereits erahnen lässt, eskaliert die Situation.

Schusswaffen sind elementare Bestandteile des Actionkinos. Wenn sie eingesetzt werden, sind die Schützen in der Regel so treffsicher wie Legolas und die Leichen lassen sich bald nicht mehr zählen. Nicht so in Free Fire. Regisseur Ben Wheatley, der zusammen mit Amy Jump (High-Rise) das Drehbuch verfasst hat, orientiert sich mehr an der Realität. Die Verbrecher erweisen sich im Umgang mit den Handfeuerwaffen mehrheitlich dilettantisch und sind bei weitem nicht so zielsicher wie der Titel des Films. Wenn überhaupt ein Treffer gelandet wird, sind es meist Streifschüsse und Fleischwunden, so dass die Protagonisten hauptsächlich am Boden entlang kriechen, sich hinter Pfeilern, Kisten und dem Lieferwagen verstecken, regelmässig ein paar Schüsse abfeuern und auch nicht mit frechen Sprüchen zurückhalten.

Die Inszenierung ist teilweise ordentlich unübersichtlich, doch wer kann in einem solchen Wirrwarr mit wechselnden Fronten schon den Überblick behalten. Da werden zwischendurch auch die Freunde zu Feinden. Wheatley setzt voll auf laute Effekte und geizt nicht mit absurd komischen Momenten. Die Mischung aus wilder Schiesserei und frechen Sprüchen ist nicht gerade sehr einfallsreich, aber dennoch reichlich unterhaltsam. Für Freunde von sinnlosen ballistischen Exzessen ein durchschlagender Genuss. Nicht umsonst hat Free Fire 2016 am Toronto International Film Festival den Publikumspreis erhalten.

21.04.2017

4

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Kommentare

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Barbarum

vor 2 Jahren

Der Film hat zwar seine grandiosen Momente, aber über weite Strecken ist er einfach nur Geballere, Rumgekrieche und in Deckung Gehen. Das fühlt sich zu trivial an, um einen als Zuschauer wirklich mit hineinzuziehen.


Mua81

vor 2 Jahren

Eine Low Budget-Produktion (Der Grossteil des Films spielt in einer Lagerhalle), welche aber bestens unterhält. Langeweile kommt nicht auf, immer fliegen entweder die Fetzen, oder es kommt ein rabenschwarzer Joke daher.
Fazit: Hinsetzen, Kopf ausschalten und sich amüsieren.


dulik

vor 2 Jahren

Der Film beginnt sehr vielversprechend. Die Spannung wird gut aufgebaut und man fühlt richtig, dass eine Eskalation kurz bevor steht. Was in der ersten Hälfte noch gut funktioniert, wird dann relativ schnell mal langweilig, denn ausser Geballer und Gefluche gibt es nicht mehr sehr viel. Kaum Dialog und zu wenig erfrischende Ideen lassen die 90 Minuten dann länger wirken als sie tatsächlich sind.
Am Ende hält "Free Fire" aber genau das, was der Name verspricht: Eine 90 minütige Ballerei. Nicht mehr und nicht weniger.
6.5/10Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 2 Jahren


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