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Giovanni Segantini: Magie des Lichts Schweiz 2015 – 82min.

Giovanni Segantini: Magie des Lichts

Filmkritik

Vom Dunkel des Werdens ins helle Sein

Michael Lang
Filmkritik: Michael Lang

Mit einer unvergleichlichen Farbintensität, einer betörenden Lichtgestaltung und der symbolstarken Naturhaftigkeit der oft im Berghaften verorteten Sujets gehört Giovanni Segantini (1858-1899) zum erlauchtesten Kreis der europäischen Malerei. Nun würdigt der Schweizer Regisseur Christian Labhart den Künstler in einem Kinofilm. Die stimmige Hommage an eine facettenreiche Persönlichkeit und ihre zeitlos genuine Herzensvision ist formal überzeugend und von Empathie geprägt.

Giovanni Segantini – geboren im damals österreichischen, heute italienischen Arco im Tirol – verliert im Alter von sieben Jahren die Mutter; ein Erlebnis, das ihn traumatisiert, sein Frauen- und Lebensbild prägt. Er lebt eine Zeitlang bei seiner Halbschwester in Mailand, leidet an Hunger und vor allem an emotionaler Einsamkeit.

Als Heranwachsender vagabundiert er herum, landet in einer Besserungsanstalt. Mitte der 1870er-Jahre entscheidet sich Segantini für die Kunst, arbeitet für einen Dekorationsmaler, studiert. 1879 trifft er sowohl den Galeristen Vittore Grubicy de Dragon, seinen künftigen Berater, als auch Luigia "Bice" Bugatti. Sie wird seine Lebensgefährtin und Mutter von vier Kindern. 1886 zieht die Familie nach Savognin im Bündnerland. Nun beginnt Segantinis internationale Karriere. 1899 arbeitet der Meister unter freiem Himmel an einem Gemälde auf dem Schafberg. Dort stirbt er am 28. September nach kurzer Krankheit in einer Hütte 2'700 Meter über Meer.

Labhart verbildlicht diese Vita in den drei Kapiteln "Werden. Sein. Vergehen". Dabei verzichtet er darauf, sie explizit mit der Zeithistorie an der Schwelle zum 20. Jahrhundert zu verknüpfen und er bietet keine kommentierenden Kunstexperten auf. Dafür lesen, wunderbar, die Schauspieler Bruno Ganz aus Segantinis Texten und Mona Petri aus Anita Scheibs Segantini-Roman "Das Schönste was ich sah" (2009). Die Kombination von Naturaufnahmen, Gemälden und Klangskulpturen verführen das Publikum zu einer sinnlichen visuellen akustischen Expedition ins Segantini-Universum; auch dank der Exzellenz von Pio Corradi an der Kamera und dem Violinisten und Komponisten Paul Giger mit dem Carmina Quartett.

Das Seherlebnis, das Original-Bilder vermitteln, kann ein Film niemals erzeugen. Doch wenn sie derart sorgsam auf das Kinoformat übertragen und dialektisch in einen Zusammenhang gebracht werden wie hier, entsteht (prosaisch gesagt) ein Mehrwert: Christian Labharts Film, von Melancholie und Lebens-Passion beseelt, ist bar jeder Eitelkeit oder elitärem Gehabe eine zeitlos gültige Ode an einen, der aus dem Dunkel heraus die Magie des Lichts gesucht und gefunden hat: Giovanni Segantini, Künstlermensch.

16.06.2015

5

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Kommentare

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filmlove

vor 3 Jahren

guter film


spiggy

vor 3 Jahren

Gut gemacht, die Stimme von Bruno Ganz mochte ich sehr. Der Film hätte für mich aber keine Minute länger dauern dürfen. Man muss Ausdauer mitbringen


forumuser

vor 3 Jahren

Absolut sehenswert, auch für Nicht-Künstler! Diese Lebensgeschichte die bewegt, auch steckt der Film steckt voller Lebensweisheiten.


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