Crimson Peak USA 2015 – 118min.

Filmkritik

Grauen wird aus Liebe geboren

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Für Guillermo del Toro ist es eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Crimson Peak ist eine klassische Gruselgeschichte, die anders noch als seine spanisch-sprachigen Geisterfilme wie The Devil’s Backbone ein sehr viel klassischeres Gefühl aufweist. Crimson Peak ist del Toros Versuch, gotischen Grusel im Stil der alten Hammer-Studios-Produktionen zu bieten - aber mit einem gewissen Mehrwert.

Die junge Edith Cushing (Mia Wasikowska) verfällt ganz dem Charme des britischen Adligen Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston), der in Amerika nach einem Investor für seine revolutionäre Torf-Abbau-Maschine sucht, aber keinen Erfolg hat. Edith muss einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen, aber Thomas ist für sie da. Er bittet sie seine Frau zu werden, woraufhin das Paar in die alte Heimat reist. Doch im Anwesen der Sharpes, in dem auch Thomas' Schwester Lucille (Jessica Chastain) lebt, geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Die Geister der Vergangenheit sind hier sehr lebendig.

In der Ausstattung geht del Toro gänzlich auf. Crimson Peak ist mit einer derartigen Liebe zum Detail gestaltet, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Sets und Kostüme sind von überragender Schönheit und bis in die kleinsten Ritzen so exakt gestaltet, dass man alle Elemente auf der Leinwand gar nicht wahrnehmen kann. Aber man spürt, dass sie da sind. Das verleiht Crimson Peak ein Gefühl von Grösse, das einhergeht mit schauerlicher Stimmung. Del Toro versteht es, Schockmomente zu integrieren, mit denen er Spannungsspitzen setzt. Ansonsten wiederum konzentriert er sich auf eine klassisch anmutende, durchaus langsame Erzählweise.

Das Problem dabei ist, dass die Geschichte sehr vorhersehbar ist. Man braucht nicht lange, um abschätzen zu können, was als nächstes folgt - und man liegt grundsätzlich nie falsch mit seinen Annahmen. Das schmälert die Wirkung von Crimson Peak etwas, auch wenn del Toro dafür einen erzählerischen Ansatz wählt, der das Ganze eine Spur interessanter macht.

Denn im Grunde ist es kein Geisterfilm, den er hier präsentiert. Das verkündet er durch den Mund der Protagonistin, die selbst eine Geistergeschichte geschrieben hat, aber erklärt, dass die Gespenster nur eine Metapher sind. Das gilt auch für del Toros Film, der zwar konventionelle Gruselmomente einsetzt, im Grunde aber ein sehr menschliches Drama ist, bei dem der übernatürliche Aspekt auch der Phantasie der Hauptfigur zugeschrieben werden kann. Dieser Umstand ist es, der Crimson Peak der vorhersehbaren Geschichte zum Trotz dann doch sehenswert macht. Weil er mehr zu bieten hat, als mit dem blossen Auge erkennbar ist.

18.02.2024

3

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Kommentare

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Janissli

vor 6 Jahren

Habe mir mehr vom Film erwartet. Obwohl er von guten Schauspielern und Schauspielerinnen gespielt wurde, ist doch das Gesamtpaket nicht so der Hit. Irgendwie war es ein Mix aus Märchen, Horrorfilm, Liebesfilm und Thriller.


Ortygiano

vor 8 Jahren

Bitte WAS soll dieser Film?


sum21

vor 8 Jahren

Ein grusliger Horrorthriller, der wirklich unter die Haut geht.
Fast so gut wie der Film: " Blumen der Nacht " nur das diesmal es nicht die Mutter ist, die jemanden vergiftet.
Aber sehr originell gemacht.


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