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Amateur Teens Schweiz 2015 – 92min.

Amateur Teens

Filmkritik

Amateur Teens

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Sie sind jung, neugierig, lautstark und leichtsinnig - das Teenagergrüppli an einer Zürcher Sekundarschule hat Lust auf Sex und verliert sich im Dschungel der Triebe und Gefühle, des Gruppendrucks und der Social-Media-Angebote. Ein Stück Schüleralltag dokumentiert und inszeniert von Niklaus Hilber (Cannabis) - authentisch und denkwürdig.

Die Henne, die sich in den Vordergrund schiebt, und der Gockel, der laut kräht und sich aufplustert - diese Konstellation ist so alt wie Männlein und Weiblein, wie Adam und Eva - in der Jugend wie im «reifen Alter». Filmemacher Niklaus Hilber (Cannabis) hat genau hingeschaut - unter Teenagern an einer Zürcher Sekundarschule. Hat sich etwas geändert seit unserer oder Ihrer Jugend? Die Welt hat sich geändert, die Kommunikationsmöglichkeiten und -gefahren sind schier unendlich, locken, verleiten und verletzen. Im Dschungel der Social-Media-Angebote verlieren und versagen auch Erwachsene, wie wir aus bekannten Fällen wissen.

Das Internet mag in vieler Hinsicht ein Segen sein, aber auch ein «Teufelsinstrument». Es kommt auf den User, seine/ihre Absichten und Verantwortungsbewusstsein an. Und damit ist es bei Jugendlichen (wie auch bei manchen Erwachsenen) nicht besonders gut bestellt. Das ist ein Thema in Hilbers Teenager-Tragödie Amateur Teens in fünf Akten. Um sich aufzuspielen, interessant zu machen und andere zu manipulieren, ist Milena (Luna Wedler) manches Mittel recht. Sie stachelt andere Girls an, endlich den ersten Akt zu vollziehen. Ähnlich geht es bei den Jungs in dieser Klasse zu. Adi (Benjamin Dangel) spielt sich als grossmäuliger Macker auf, kriegt aber bei Milena einen Korb. Der türkischstämmige Selim (Fabrizio Borsani) ist in Sabrina (Chiara Carla Bär) verliebt, traut sich aber nicht recht. Er ist eigentlich eine gute Seele, kann sich aber nicht «outen» und vom Gruppendruck freimachen. Neuling Lara (Annina Walt) wird von Milena gedemütigt, sucht den Anschluss und biedert sich. Ein Fussball-Partyabend, an dem sie mit den Jungs teilnimmt, läuft aus dem Ruder. Willig oder unwillig - sie wird zum Sexopfer.

Mit geradezu dokumentarischer Akribie beobachtet Regisseur Niklaus Hilber das Tun der Teens, die dann nicht wissen (oder nicht wissen wollen), was sie tun. Die permanenten Nahaufnahmen suggerieren zusätzliche Authentizität. Der Film bleibt dran - unerbittlich, ungeschminkt, unbehaglich. Gut so! Manche mögen das Teenager-Drama als allzu amateurhaft und schlicht abwerten. Doch gerade darin liegt seine Qualität. Ohne Schnickschnack bringt er das Dilemma auf den Punkt: Die Jugendlichen sind im Social-Media-Dschungel überfordert, aber auch bei der Frage nach Liebe oder Sex. Sie sind zwar kommunikationsgeil und -tüchtig, aber orientierungslos und dem Schein verfallen.

16.11.2015

4

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Kommentare

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frozone

vor 3 Jahren

Ein wichtiger, aktueller Schweizer Film. Weiter so!


cha_ron

vor 3 Jahren

Ich gebe diesem Film aus genau einem Grund einen Stern... Der weisse Screen bei den Übergängen nervt nach einer gewissen Zeit nur noch, ich konnte den Film nicht zu Ende schauen. Frage mich, wer auf solche dummen Ideen kommt.


marcooo2

vor 3 Jahren

spannend, aktuell, weg vom Mainstream. sehenswert


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