CH.FILM

Feuer & Flamme Schweiz 2014 – 86min.

Filmkritik

Heiß und flüssig

Filmkritik: Eduard Ulrich

Iwan Schumacher kennt die internationale Kunstszene und die eng mit ihr verbundene Kunstgiesserei St.Gallen. Sein Porträt des Betriebs zeigt die aufwendige Betreuung künstlerischer Arbeiten durch die engagierten MitarbeiterInnen, stellt einige MitarbeiterInnen persönlich vor und begleitet einen über mehrere Monate bei seinen Projekten. Ausführlich kommt der Chef, Felix Lehner, zu Wort, der in nahezu idealer Weise seinen Betrieb führt und entwickelt. Schumacher selbst und der phänomenale Pio Corradi liefern dazu viele instruktive Bilder.

Bereits die international erfolgreichen Schweizer Künstler Markus Raetz und Urs Fischer wurden von Iwan Schumacher porträtiert, jetzt hat er seinen Blick auf ein ebenfalls eng mit dem internationalen Kunstschaffen verbundenen Betrieb geworfen, auf die St.Galler Kunstgiesserei. Ihr Chef, Felix Lehner, ist ein Unternehmer aus dem Lehrbuch: Seine Basis ist eine Metallgießerei und die handwerkliche Präzision, aber er geht mit der Zeit und in den Markt. Er verkörpert die unternehmerischen Ideale, indem er Chancen ergreift, Marktnischen besetzt, seinen Betrieb gesund in verwandte Gebiete wachsen lässt, ins Ausland expandiert und auf das Betriebsklima achtet.

Schumacher und Lehner könnten die idealen Partner für so ein Filmprojekt sein, aber Schumacher gelingt es nicht, das Feuer in Lehner an die Oberfläche zu holen. MitarbeiterInnen zu befragen, ist ein dokumentarisches Routineverfahren, bei Lehner zündet das nicht. Immerhin ist die Kamera bemerkenswert neugierig, blickt mal schräg von oben in eine Halle herab, mal von unten in eine riesige Skulptur. Die Abhängigkeit von Physik, Technik und Idee manifestiert sich in den Gesprächen zwischen den KünstlerInnen und den KunsthandwerkerInnen der Spezialgießerei, die längst nicht mehr nur Metall verflüssigt, sondern alles verarbeitet, was nötig ist.

Allerdings schlägt das heiße und flüssige Metall offenbar eine archaische Saite in uns an, weil es nur bis zu einem gewissen Grade kontrolliert werden kann. Die damit verbundenen Rituale muten den Menschen aus dem Atomzeitalter seltsam anachronistisch an, hätten aber eine tiefere Auseinandersetzung verdient. Auch die Tatsache, dass vorwiegend junge Leute in diesem Muster- und Lehrbetrieb schaffen, wäre eine Frage nach den Ursachen wert gewesen. Entschädigt wird man mit berührenden Szenen wie beispielsweise bei der letzten Zusammenarbeit mit dem uralten und todkranken Hans Josephsohn, dem beinahe telepathisch jeder Wunsch von den Augen abgelesen und erfüllt wird.

16.06.2014

3

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