Robot and Frank USA 2012 – 90min.

Filmkritik

Technik, die begeistert

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

Ein Roboter soll dem zerstreuten Frank (Frank Langella) im Haushalt helfen. Zuerst wird die High-Tech-Blechdose vom mürrischen Bock angefeindet. Bis dieser bei seinem künstlichen Bediensteten ein sehr nützliches Talent entdeckt.

Er sieht aus wie ein überdimensionales Lego-Männchen, spricht seine Sätze mit der Emotion einer Auto-Navi-Stimme, kann aber kochen wie einst Mama. Nur will Frank den Roboter nicht haben, den ihm sein Sohn Hunter (James Marsden) als Haushaltshilfe mitbringt. Er sei weder zerstreut, noch vergesslich, noch unselbstständig, so der Senior. Um dann den Mittdreissiger allen Ernstes zu fragen, wie es auf der Uni in Princeton denn so laufe.

Selbst in der Bibliothek der nahen Zukunft haben sie schon eine dieser Blechdosen. Digital ist eben besser: Die Bücher verschwinden, werden eingescannt, Dostojewski zur Datei degradiert. Jennifer (Susan Sarandon), die gute Fee der Bibliothek, hat sich mit dem Fortschritt arrangiert. Auf sie hat Frank ein Auge geworfen. Das gemeinsame Abendessen verschwitzt er aber - es gibt Wichtigeres zu tun. Beim ehemaligen Dieb ist nämlich wieder akute Kleptomanie ausgebrochen, seit er festgestellt hat, dass der Roboter neben einem grünen Daumen auch über ziemlich lange Finger verfügt.

Another World und Womb waren zwei jüngere Beispiele von "weichen" Zukunftsszenarios: Bei beiden manifestierte sich der technische beziehungsweise biologische Fortschritt lediglich in wenigen Details; ansonsten unterschied sich der Lebensraum in keiner Weise von unserem gegenwärtigen. In Robot und Frank stehen nur die Telefone und die präsenten Roboter für die Science-Fiction. Umso mehr wird man sich bewusst, eine unmittelbar bevorstehende Zukunft zu beobachten.

Wie Menschen mit einer Aversion gegen Technik dann mit solchen Maschinen umgehen dürften, zeigt uns Frank Langella anfangs so wunderbar sauertöpfisch, dass man sich eine durchgehende Fehde mit dem Blechmann wünscht. Doch glätten sich die Wogen, und das nicht nur wegen seiner erweiterten Zweckmässigkeit als Komplizen. Irgendwann verspürt der Mensch Empathie für die Maschine, obschon die Maschine ihn partout darauf hinweist, kein Mensch zu sein.

Der Titel des Films ist Programm; er lebt ganz und gar von seinen beiden Protagonisten. Während James Marsden als Sohn bei seinen Stippvisiten auch mal etwas den Hintergrund der Familie ausleuchten darf, ist Liv Tyler als roboterächtende Tochter nicht viel mehr als Beigemüse. Robot und Frank ist trotz der darin vorhandenen kriminellen Energie ein unaufgeregter Film. Einer mehr, der das Altern und die Unwilligkeit, über sein Leben die Kontrolle zu verlieren, thematisiert. Die ungewöhnliche Prämisse sorgt aber dafür, dass man diese erneute Konfrontation in keiner Minute scheut.

26.10.2012

4

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Kommentare

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Barbarum

vor 7 Jahren

Humorvoll und mit Herz und bevor es langweilen könnte, ist es, dank der relativ kurzen Filmlänge, auch schon fertig.


gefuehlsmensch

vor 8 Jahren

ich weiß nicht, warum. Aber ich mag den Film.


coffey

vor 9 Jahren

Ich finde ihn Geil


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