Iron Sky Australien, Finnland, Deutschland 2012 – 93min.

Filmkritik

Die Welt ist nicht genug

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

Wer hätte das gedacht: Nicht alle Nazis gingen nach Kriegsende in Argentinien in Rente. Im bissigen Trash-Abenteuer Iron Sky will ein strammes Grüppchen Brauner von der dunklen Seite des Mondes aus die Welteroberung nachholen.

Das Weltall: Unendliche Weiten, viel Weltraumschrott, Nazis. Bei einem Expeditionsflug entdecken US-Astronauten das braune Exil auf der dunkeln Seite des Mondes. Hitler ist tot, doch lang lebe der Führer Kortzfleisch (Udo Kier), der mit ungebrochener Hybris und der Superwaffe "Götterdämmerung" die Weltherrschaft anstrebt. Dies mittels einer Wunderwaffe, der es einzig und allein noch an Rechenpower fehlt, um einsatzbereit zu sein.

Von der US-Besatzung wird der Schwarze James Washington (Christopher Kirby) gefangengenommen und sogleich zum Quasi-Arier gebleicht. Dessen iPhone wird zur Offenbarung für den verbiesterten Klaus Adler (Götz Otto). Er beschliesst zur Erde zu fliegen und noch mehr solcher "Computer" zu besorgen, um mit der Götterdämmerung endlich den meteoren Blitzkrieg starten zu können. Washington soll ihn dabei auch gleich dem Präsident der USA vorstellen.

Wobei wir beim zweiten schauderhaften Aspekt des Jahres 2018 wären. Eine schwer an Sarah Palin (Stephanie Paul) erinnernde Frau ist nämlich in Amerika am Ruder, die es nicht grundsätzlich schlecht findet, einen Krieg zu führen - rechnet sie sich als Krisenpräsidentin doch bessere Chancen auf eine Wiederwahl aus. Derweil wird Adlers Freundin (Julia Dietze), die sich auch auf die Erdmission begeben hat, durch ein einschlägiges Erlebnis entnazifiziert, und wendet sich fortan gegen die Herrenmenschen.

Eine wilde Fantasie darf man dem finnischen Filmemacher Timo Vuorensola zweifellos eingestehen. Gewisse Details seines Szenarios sind indes gar nicht so weit hergeholt. So beruft sich Vuorensola indirekt auf den Mythos "Neuschwabenland", der Reichs-Basis in der Antarktis, wo nach dem 2. Weltkrieg angeblich einige Nazis Zuflucht gesucht haben sollen. Und auch die dubiosen Reichsflugscheiben finden Verwendung in diesem bizarren Trash-Werk, das ein Sammelsurium von Zitaten aus Star Wars, Independence Day und Dr. Strangelove ist.

Mag es auch heute noch starke Vorbehalte geben, anhand der schrecklichen geschichtlichen Konsequenzen über die nationalsozialistische Rigidität, ihren Rassenhass und die Selbstüberschätzung zu lachen, so darf es in dieser opulenten Überhöhung ohne jede Bedenken getan werden. Herausragend abscheulich ist dabei Götz Otto, der genüsslich überdreht den eitlen Über-Nazi gibt.

Das relativ kleine Budget, das unter anderem durch Crowdfunding gesichert wurde, sieht man Iron Sky kaum an. An politischen Sticheleien und einschlägigen Pointen wurde dagegen nicht gespart. Im letzten Drittel und mit der zunehmenden Materialschlacht geht der absurden Prämisse aber offensichtlich die Luft aus. Wer mit Trash etwas anfangen kann, ist mit Iron Sky aber auf alle Fälle bestens unterhalten.

10.04.2012

3

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Kommentare

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Roopiram

vor 6 Jahren

gar nicht mal so schlecht. z. T. zwar speziell, aber lustig


Urs23

vor 6 Jahren

Gewagtes Thema spannend umgesetzt. Kann man sich anschauen.


Harleyquinn

vor 7 Jahren

Definitiv für die Internetgemeinde gemacht. Unbedingt in OT!


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