Alles erlaubt - Eine Woche ohne Regeln USA 2011 – 105min.

Filmkritik

Die Ehe ist kein Ponyhof

Dimitrios Athanassiou
Filmkritik: Dimitrios Athanassiou

Bissiger Spaß mit derben Einlagen, eindeutig fürs reifere Publikum: Bobby und Peter Farrelly (There Is Something About Mary) nehmen sich des Restchens Liebe an, der nach 20 Jahren Ehe übrig geblieben ist.

Maggie (Jenna Fischer) und Grace (Christina Applegate) haben endgültig genug. Viele Jahre waren sie ihren Gatten gute Ehefrauen. In letzter Zeit benehmen sich Rick (Owen Wilson) und Fred (Jason Sudeikis) aber wie zwei halbstarke College-Boys. Nicht nur, dass ihr Verhalten zuweilen zum Fremdschämen Anlass gibt, sie starren auch jedem Rock hinterher.

Eine befreundete Psychologin rät den Damen, ihren Männern mal eine Auszeit von der Ehe zu gönnen. Sie sollen eine Woche tun und lassen können, was immer sie wollen. Rick und Fred sind von der Idee begeistert. Maggie und Grace zweifeln allerdings, ob das eine gute Idee ist. Auch deshalb, da sie nun gleichfalls eine Woche Urlaub von der Ehe haben; und beide sind immer noch attraktive Frauen.

Hall Pass beginnt täuschend lahm. Die Charaktere wirken bieder und langweilig. Man bekommt schablonenhaft das Familienleben von Paaren in den Vierzigern vorgeführt: Der Mann ackert im Büro, um das Familieneinkommen zu erwirtschaften, an der Frau bleiben Haushalt und Kinder hängen. Sex haben die Paare eher in ihrer Phantasie, meist sind sie ohnehin zu müde dafür. Willkommen in der Realität nach 20 Jahren Eheglück - einer Hölle der allmählichen Gewöhnung, grausamer Routine und des unausweichlichen Verblassens.

Das Gegenmittel, laut Filmrezept, ist der ultimative Freifahrtschein für eine Woche zügelloser Ausschweifung. Ganz in der Art, wie es sich die beiden Interrims-Jungesellen vorgestellt haben, läufts aber nicht, was der Verdienst eines über weite Strecken wirklich originellen Plots ist. Der Dialogwitz kommt süffisant lässig und die Situationskomik samt derber Brachialpointen ist passgenau platziert. Zuweilen geht das locker über die Grenzen des guten Geschmacks und manch deftiger Klamauk kann durchaus die Schamröte ins Gesicht treiben.

Die berühmte Portion Moral darf in einer Hollywood-Komödie dennoch nicht fehlen. So wird einem zum Schluss erklärt, dass das wilde Leben, das man als junger Mensch geführt zu haben glaubt, mehr Schein als Sein war und keinesfalls höher zu bewerten ist, als das Familienglück. Trotzdem: Hall Pass macht mächtig Spaß; man muss es aber schon deftiger mögen.

14.03.2011

4

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Kommentare

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silvios

vor 9 Jahren

ganz in Ordnung, witzig.


movie world filip

vor 9 Jahren

Manchmal schon recht witzig, aber manchmal auch vulgär. Unterhaltsame blödsinn.


semi79

vor 9 Jahren

charmant, witzig, gute unterhaltung


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