Winter's Bone USA 2010 – 100min.

Filmkritik

Im Land des eisigen Schweigens

Thomas Hunziker
Filmkritik: Thomas Hunziker

Im zweiten Spielfilm der Amerikanerin Debra Granik muss eine 17-Jährige ihren kriminellen Vater finden, um das Haus der Familie zu retten. Der beklemmende Thriller, der im trostlosen Winter im Süden von Missouri spielt, wurde in Sundance mit dem grossen Preis der Jury ausgezeichnet.

Die 17-jährige Ree (Jennifer Lawrence) lebt mit ihrer Mutter und den beiden jüngeren Geschwistern in einem abgelegenen, verlotterten Haus in den Ozark Mountains. Von Sheriff Baskin (Garret Dillahunt) erfährt sie, dass die Familie das Grundstück und den angrenzenden Wald verlieren wird, wenn ihr Vater nicht an einem anstehenden Gerichtstermin auftaucht. Er hat den Besitz als Kaution hinterlegt. Doch von dem in die Herstellung von Methamphetamin verwickelte Vater fehlt jede Spur.

Ree macht sie in der Umgebung auf die Suche. Doch zunächst will ihr nicht einmal ihr Onkel Teardrop (John Hawkes) helfen. Bei den übrigen Personen, die über den Verbleib ihres Vaters Bescheid wissen könnten, stösst sie sogar auf offene Ablehnung und Drohungen. Dass ihr Vater in kriminelle Machenschaften verwickelt war, wissen zwar alle in der Gegend. Aaber keiner will ihn gesehen haben. Je entschlossener Ree in den Nachforschungen vorgeht, umso gefährlicher wird die Suche.

Winter's Bone ist ein eindringliches Porträt einer Region in den USA, in der die meisten Bewohner ein wenig miteinander verwandt sind, die Armut dazu führt, das gebratene Eichhörnchen eine Festspeise sind, und der Winter ohne ausreichend Brennholz höchst unangenehm werden kann. Die karge Kulisse übernimmt dann auch eine Hauptrolle in dieser Studie der Widerstandsfähigkeit einer jungen Frau. Die Unbarmherzigkeit der winterlichen Landschaft schlägt sich in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Daniel Woodrell auf das Verhalten der Figuren nieder. Durch die Abgeschiedenheit der Gegend hat sich eine verschworene Gemeinschaft gebildet, die abweisend auf Menschen reagiert, die sie gegen ihre Regeln stellt.

Regisseurin Debra Granik wirft einen schonungslosen und ungeschminkten Blick auf das Verhalten dieser Menschen. Die Geschichte ist ganz auf die Hauptfigur ausgerichtet, die fast ganz auf sich allein gestellt einer erdrückenden Belastung ausgesetzt ist. Eindrücklich verkörpert Jennifer Lawrence diese resolute junge Frau, die sich mit einer Mischung aus Sturheit und Entschlossenheit gegen die Isolation stemmt und sich von den Lügen des Vaters nicht beeindrucken lässt. Ein aufwühlender Film - auch dank der starken Darbietungen der übrigen Darsteller: Dafür gab's vier Oscar-Nominationen 2011 und den Jury-Preis in Sundance.

13.04.2011

4

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Kommentare

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oscon

vor 5 Jahren

Bedrückender Thriller der in einer von Armut geprägten Provinz der USA spielt.
Die Tochter eines Familien-Clan-Mitglieds von Meth-Pantschern sucht Ihren verschwundene Vater, um die Familie vom finalen Konkurs zu retten und trifft dabei auf eine Mauer des Schweigens bei der unheimlich verbrecherischen Verwandtschaft.
Eine herausragende Jennifer Lawrence als Ree und eine, wie seine Bewohner, eiskalt wirkende trostlose Landschaft sind die Hauptprotagonisten der Geschichte. Bedrückend, herausragend!Mehr anzeigen


ThinkerWell

vor 9 Jahren

Schade, dass Authentizität einen so schweren Stand in der Gesellschaft hat. Filme, in denen Gefühle nicht künstlich (durch Musik, Effekte etc.) hervorgerufen werden und die einem sagen, was man denken und fühlen soll, sind beliebt. Während die realistischen, in denen nicht jeder weint und drauflosredet, wenn er traurig ist (wie im Leben), gehen den Leuten "auf den Sack". Schade, dass Filme heute vor allem berieseln, aber nicht bewegen sollen.Mehr anzeigen


erb

vor 9 Jahren

Amerikanische provinzielle Trostlosigkeit am anderen Ende von Hollywood und Las Vegas. Man findet danach die Mitmenschen im Zug und Tram gar nicht mehr so schlimm.


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