Die Gräfin Frankreich, Deutschland 2009 – 94min.

Filmkritik

Alles wird Blut

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Blass und übermüdet sieht Julie Delpy in der Titelrolle ihrer zweiten Regiearbeit aus. Und tatsächlich ist die von ihr gespielte Erzsébet Báthory fast so etwas wie die weibliche, ungarische Antwort auf den Grafen Dracula.

1560 in eine der mächtigsten Adelsfamilien des Landes hineingeboren und standesgemäß verheiratet, wurde Erzsébet Báthory als Blutgräfin zur Legende; hunderten Jungfrauen soll sie im frühen 17. Jahrhundert das Leben gekostet haben. Statt einer Vampirin zeigt Delpy die historisch verbürgte Titelfigur allerdings als eine selbstbewusste Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen muss. Große Emotionalität ist nicht ihr Ding, und nicht erst als ihr Mann im Krieg gegen die Osmanen fällt, konzentriert sie sich mehr auf die Aufgaben als kühl kalkulierende Vermögens- und Gutsverwalterin denn auf die Pflichten als Mutter dreier Töchter.

Doch das Patriarchat legt der Monarchin jede Menge Steine in den Weg. Dem König ist sie ein Dorn in Auge, und als sie die Avancen des Grafen Thurzo (William Hurt) abweist, nur um sich dann in dessen Sohn Istvan (blaß: Daniel Brühl) zu verlieben, beginnt jener eine umfassende Intrige und verhindert das Glück von Erzsébet mit dem Jahre jüngeren Istvan. Aus ihrem gebrochenem Herzen entwickelt sich derweil ein Schönheits- und Jugendwahn, der sich zu monströser Raserei auswächst, als sie dem Glauben verfällt, das Blut jungfräulicher Mädchen würde ihren Körper von Alterungserscheinungen befreien.

Die thematische und atmosphärische Kehrtwende nach Delpys Überraschungshit "2 Days in Paris" hätte kaum größer ausfallen können: statt von Sonnenlicht durchflutetem Humor setzt sie auf das düstere Sittenbild vergangener Zeiten. Einmal mehr hat die Französin dabei neben Hauptrolle und Regie auch die Funktion als Produzentin, Drehbuchautorin und Komponistin übernommen. Doch vor allem als Schauspielerin überzeugt sie auf ganzer Linie und vermag beim Zuschauer Interesse und Faszination zu wecken für diese eigentlich durch und durch unsympathische, ungewohnt kühl wütende Furie.

Dass nicht alle Darsteller so ideal besetzt sind, würde weniger ins Gewicht fallen, hätte Delpy den Stoff als Regisseurin und Autorin noch stärker in eine eindeutige Richtung weiterentwickelt. Ihr Ansatz, die Legende der Blutgräfin als blutigen Grusel-Kommentar auf sehr moderne Schönheitsideale und Geschlechterrollen-Verhalten umzudeuten, ist ebenso reizvoll wie komplex. Doch viel zu oft bleibt Delpys Inszenierung vage und zaghaft, wo man mit viel Mut noch weiter hätte gehen müssen. Als Horrorfilm ist "Die Gräfin" viel zu wenig drastisch oder eklig - und als Kommentar auf den frauenfeindlichen Jugendwahn der heutigen Celebrity-Kultur bleibt er viel zu sehr im engen Historienkorsett hängen, statt es - wie von Sofia Coppola mit "Marie Antoinette" vorgemacht - überspitzt aus den Angeln zu heben.

13.07.2009

3

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Kommentare

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8martin

vor 4 Jahren

Julie Delpy hat einen interessanten Horrorfilm über die Massenmörderin Erzsébet Báthory (Delpy) aus dem 16. Jahrhundert gemacht. Das verbindet sie (auch Drehbuch) geschickt mit einer tragischen Liebesgeschichte. Ihr Geliebter Istvan (Daniel Brühl) wird von Vater Graf Thurzo (William Hurt) gezwungen auf Erzsébet zu verzichten und wird am Ende die gerichtliche Untersuchung gegen seine Herzensdame führen.
Das Drehbuch zeigt wie die junge Frau schon bald zu Grausamkeit und Gewalt neigt auch Autoaggression und S/M (Sebastian Blomberg) sind ihr nicht fremd. Die ‘Jungfrauenpresse‘, aus der das Blut läuft, ist nichts für schwache Nerven. Prominentes Opfer ist Bertha (Anna Maria Mühe) nach der Devise Jungfrauenblut für die Schönheit der Gräfin.
Überhaupt hat Delpy fast ausschließlich deutsche Schauspieler eingesetzt. Neben teils witzigen Dialogen (Gräfin mit dem Bischof bei Tisch (Felix Vörtler)) zeigt sich die Regisseurin einmal mehr als Vertreterin der Spiraltheorie: d. h. Anfang ist gleich Ende. Auch die Off Kommentare sind nicht schlecht. Da hört man z. B.. dass angeblich Feldherrn, die tausende von Toten verursacht haben, zu Helden hochstilisiert, wohingegen Hexen nur die Folter bleibt.
Sehr eindrucksvoll auch das Ende von Erzsébet und auch ihr selbstbestimmtes Ende ist eine logische Konsequenz ihres Lebenswandels. Die Delpy ist vor der Kamera genauso gut wie dahinter, schreiben kann sie auch und ein tolles Ensemble hat sie ebenfalls zusammengestellt. Schöner Schauder in düsteren Farben.Mehr anzeigen


movie world filip

vor 8 Jahren

L'oreal war noch nicht da... serum & blut schon. Interessant. Ich bin begeistert... Julie Delphy überzeugend. Düster. Gut.


tuvock

vor 10 Jahren

So um 1984 hat ein bekannter Publizist, László Nagy, von einer Verschwörung geredet, dass ist heute auch noch oft ein Thema bei Historikern. Im Film sieht man ja dass sie einige Blutspritzer abbekam und merkte he da wird meine Haut jung und dass hat 1721 der Jesuit László Turóczi erfunden. 1817 kam die Legende von dem Folterexperiment der Eisernen Jungfrau auf, die im Film ein bisschen anders dargestellt wurde und dazu diente den Mädchen dass Blut auszusaugen Also da rannen sie aus und sie ist unten bei der Öffnung gestanden was man im Film nicht so deutlich sah wie mit Film „Hostel 2“ und hat sich vom Blut eben berieseln lassen dass im Film eher aussah wie Tomatenketchup.

Im Bereich der Vampire, Also bei den Legenden wird ja zwischen Ihrem Leben und der Geschichte von Bram Stoker zu Dracula eine Verbindung aufgebaut, Vielleicht war es eh so, die Frau hat Stoker zu dem Roman inspiriert.

Im Film sah man sehr viel was erschreckend und gut zugleich war oder interessant vor allem als die kleine Bathory schon Anzeichen legte dass sie eine Irre sein könnte. ERZEBET wird nach der Tradition ihres Adelsgeschlechts zu eiserner Härte erzogen, zu Fühl- und Rücksichtslosigkeit und Vielleicht war dass ein Grund das sie so eine Verrückte wurde, Na Ja im Film war sie ja in Daniel Brühl verliebt, was man noch verstehen kann, weil der Typ ja wirklich gut aussieht, in Wirklichkeit hat der Schauspieler eine Katalanische Mutter und spricht perfekt Katalanisch und Spanisch und er ist ein verdammt guter Schauspieler.

Was ja an dem Film so gut auch ist, July Delpy hat auch die Regie über, und sie wollte ja anfangs nicht die Rolle spielen hat sich aber dann doch dass überlegt und man merkt, dass diese Frau schon eine Menge an Autorenkino im früheren Leben gemeistert hat, sie war auch schon genügend oft im Filmen zu sehen, die Kritiker erfreuen lassen, und als Schauspielerin ist die Delpy wirklich was besonderes.

In Wahrheit ist die Delpy auch sehr gut drauf, sie mag kein Botox und findet dass Alter werden als was positives und völlig natürliches, dass ist es auch was Ihre natürliche Schönheit ausmacht. Und ursprünglich wollte ja Ethan Hawke mitspielen aber Daniel der ja July auch kennt, ja der bekam dann die Hauptrolle und über ihn kann ich nicht viel sagen er passt einfach wirkt mir aber ehrlich zu deutsch, und auch so die ganze Produktion die sicher einiges an Spannung hat, ist mir zu USA Mäßig, mir hätte ein rein ungarischer Film besser gefallen der dass Thema aufgegriffen hätte, mehr an Horror und Ekel wären gut gewesen in dem Film, ein bisschen vom Volk hätte ich gerne gesehen den Schmutz von Filmen wie „Das Parfum“ hat auch gefehlt, die Landschaften waren super, William Hurt als Vater von Daniel Brühl super, aber in dieser Rolle als Österreicher ne da ist man zu sehr vorprogrammiert auf Hurt, nein da hat er meiner Meinung nach in die Rolle nicht so gut gepasst.

Na Ja jedenfalls war er nicht so übel, denn William Hurt hat sich sogar eigens einen Akzent in der Aussprache zugelegt, um sich Daniel Brühl, der im Film seinen Sohn spielt, sprachlich anzunähern. Was mir noch fehlte, ist der Anteil Sex und Gewalt, Sado Maso kam ja in Ihrem Leben vor, im Film von so einem Verrückten, den Namen vergas ich. Ja mir hat dass ruhige schöne spannende gefehlt, irgendwie war der Film nicht perfekt aber auch nicht übel.

So gesehen als TV Produktion oder zu Hause im Patschenkino, fürs Kino war der Film nicht so gut aber empfehlenswert, Also 80 von 100 Punkten.Mehr anzeigen


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