Zerrissene Umarmungen Spanien 2009 – 127min.

Filmkritik

Edle Tränen, noble Szenen

Filmkritik: Eduard Ulrich

Keine weint so schön wie Penélope Cruz. In Almodóvars Geld-gegen-Gefühl-Drama hat sie ausgiebig Gelegenheit dazu. Aber auch der Meister selbst - ging er doch trotz hohen künstlerischen Einsatzes in Cannes leer aus.

Wo die Liebe ist, ist die Eifersucht nicht weit. Quasi eingebaut ist sie, wenn eine Beziehung auf Macht beruht, wie im Fall der unfreiwilligen "Geliebten" eines farblosen, abgefeimten Reichlings (José Luis Gómez), der ihre Notlage schnöde ausnutzt, um sie fortan zu besitzen. Sein Gegenspieler wird so bei- wie zwangsläufig ein junger Regisseur vor dem Durchbruch, denn seine frisch gekürte Hauptdarstellerin fühlt sich nicht nur zum Film sondern auch zu ihm hingezogen. Ihre Flucht aus dem Goldenen Käfig führt über die Dreharbeiten zur geplanten Komödie. Blöd ist das schwerreiche Ekel allerdings nicht: Strategisch geschickt und wieder eine Notlage ausnutzend, übernimmt er die Finanzierung und beauftragt seinen Sohn, die Arbeit auf Video zu dokumentieren, was Film im Film im Film ergibt.

Irgendetwas muss aber schiefgegangen sein, denn wir lernen den erfolgversprechenden Regisseur knapp eineinhalb Dekaden später kennen. Da trägt er eine Blindenbrille, und von seiner Amour fou sieht auch das gesundäugige Publikum nicht mehr als er. Stattdessen wird er von seiner ehemaligen Produktionsleiterin und ihrem Sohn betreut, schreibt Drehbücher und Schundliteratur, doch die Vergangenheit ist tabu, bis sie sich unangenehm meldet.

Die tief verschachtelte Anlage, die beiden Zeitebenen und das reiche Repertoire filmischer Mittel lohnen sich leider nicht. Zwar gelingen Pedro Almodóvar einige phänomenale Szenen, die Bilder sind stilisiert und hochästhetisch, aber Leben können die Schauspieler, sonst Almodóvars Stärke, dieser Künstlichkeit nicht einhauchen. José Luis Gómez überzeugt nicht, was daran liegen mag, dass er seine Macht nie im Geschäftsleben demonstrieren kann - man sieht ihn nur in seinem Büro telefonieren. Wurde da gespart?

Immerhin löst Almodóvar das Problem elegant, die Venus Pénelope Cruz mit dem verfallenen Finanzier zu paaren. Diese und auch die anderen Kopulationsszenen sind jugendfrei eingerichtet, was wiederum die Distanz betont. Vielleicht erlaubt dieser Film einen Blick auf Almodóvars Schreckensvisionen, denn gibt es etwas schlimmeres als Augenlicht, Geliebte und künstlerische Kontrolle über sein Werk zu verlieren?

19.04.2013

3

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Kommentare

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felixreinarz

vor 12 Jahren

Sehr gutes Drehbuch, viel Spannung, schöne Verfilmung. Hatt vom ANfang bis zum Ende gefesselt


fukuro77

vor 12 Jahren

Verstehe nicht, weshalb Almodovar und die Cruz so gelobt werden für die Darstellung einer so schwachen und langweiligen Frauenfigur. Und überhaupt: mit wem soll man da eigentlich mitfühlen?


telendos

vor 12 Jahren

Wie jeder Almodovar-Film hinreissend und trotzdem gescheit. Nur die Cineman-Kritik ist leider nicht gelungen!


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