La Danse - Le ballet de l'Opéra de Paris Frankreich, USA 2009 – 159min.

Filmkritik

Klassik adieu?

Filmkritik: Eduard Ulrich

Der 1930 in Boston geborene Regisseur Frederick Wiseman, der schon die "Comédie-Française" und diverse Einrichtungen in den Vereinigten Staaten filmisch porträtierte, widmet sich dem Ballett der Pariser Oper.

Dass ein Dokumentarfilm-Profi am Werk ist, merkt man schnell: Die seelenruhige Kamera, der Schnittrhythmus, der dem Geschehen folgt, jede Szene liefert einen Aspekt und ist auf diesen fokussiert. Die Ballett-Abteilung der Pariser Oper mit ihrer Stilvielfalt ist ein dankbares Sujet - und Frederick Wiseman hatte obendrein das Glück, dass in seine Dreharbeiten der Aufruhr wegen der Rentenkürzungspläne der Regierung fiel. Da konnte er eine sachliche und klug organisierte Informationsveranstaltung einfangen, in der es ums Eingemachte ging. Denn Ballett-TänzerInnen müssen früh abtreten, mit 40 hüpft niemand mehr auf einer Bühne herum.

Wiseman zeigt einen Querschnitt des Betriebs von den Anfängergruppen über die Einzelproben der Stars bis hin zur Leitung. Wer den Film "Der Tanzmacher" gesehen hat, wird sich wundern, wie kollegial und freundlich der Umgang mit den SchülerInnen und fest angestellten TänzerInnen ist: Kein sturer Drill, kein einziges böses Wort, stattdessen Lob und präzise Korrekturhinweise. Die Chefin des Hauses scheint ein weiterer Glücksfall zu sein. Nicht nur lässt sie Wiseman selbst eine so heikle Sitzung wie diejenige zum Thema "Wie betreuen wir unsere Gönner aus den Vereinigten Staaten" filmen, auch bei einem höchst persönlichen Gespräch mit einem Mitglied des Ensembles darf das Publikum zu Gast sein. Zur Auflockerung gibt's Bilder vom Gebäude, gern auch mit Blick über Paris, oder von der Kanalisation darunter.

Auch wenn das Schwergewicht der Ausbildung laut Chefin auf dem klassischen Ballett liegt, so interessiert sich Wiseman für die Moderne - auf Breakdance wartet man leider vergebens, aber eine Einlage mit den von Pop-Video-Clips beeinflussten ruckartigen, mechanisch wirkenden Bewegungen ist zu sehen. Einige längere Ausschnitte - konsequenterweise vorwiegend aus zeitgenössischen Choreografien - lassen auch das erfahrene Ballett-Publikum auf seine Rechnung kommen.

Eine Belohnung für die Geduld am Schluss: Kommentar ist für Wiseman zwar ein Fremdwort, im Abspann werden aber die Titel sämtlicher gezeigten Ballette sowie die Namen aller Choreografen und Komponisten aufgeführt.

15.11.2010

3

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Kommentare

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selinaburri

vor 9 Jahren

leider viel zu lange. 160 min sind zu viel. habe leider ab der pause "abgehängte


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