Unbeugsam - Defiance USA 2008 – 137min.

Filmkritik

Ein Wald ist ein Wald ist ein Wald

Björn Schäffner
Filmkritik: Björn Schäffner

James Bond-Darsteller Daniel Craig als jüdischer Widerstandskämpfer: In "Defiance" verschanzt sich eine Gemeinschaft von Flüchtlingen in weissrussischen Wäldern.

Auf den Terror Adolf Hitlers konnte sich Hollywood schon früh einen Reim machen. Einen ziemlich lustigen sogar: Charlie Chaplin setzte 1940 mit der Hitler-Satire "The Great Dictator" einen Meilenstein des Genres, auch Ernst Lubitschs nicht minder vergnügliche Evergreen "Sein oder Nichtsein" ist in Bestenlisten regelmässig in den vorderen Rängen zu finden. In jüngerer Zeit entpuppten sich die Holocaust-Abräumer von Steven Spielberg und Roman Polanski als überaus Oscar-kompatibel: "Schindler's List" holte sieben Goldstatuen, "The Pianist" deren drei.

Den Holocaust, diesen immerzu sprudelnden Quell für meist dramatische Stoffe, hat nun auch Edward Zwick angezapft. Der Regisseur, der mit den Hollywood-Dramen "Blood Diamond", "Legends of the Fall" oder "The Last Samurai" schon öfters mit der grossen Kelle angerichtet hat, verfilmte die wahre und ziemlich erstaunliche Geschichte um die Gebrüder Bielski, die 1941 eine Art jüdische Resistance gegen die Nazi-Schergen formierten. Als Schmuggler wohlvertraut mit dem Gelände, errichteten Tuvia (Daniel Craig) und Zus Bielski (Liev Schreiber) tief im Wald eine Gemeinschaft und bewahrten so über eintausend Menschen vor dem sicheren Tod.

In "Defiance" kommen die pathetischen Gesten nicht zu kurz: Einmal heisst Tuvia Bielski rittlings die jüdischen Flüchtlinge im Waldlager willkommen: Sie befänden sich hier unter seinem Schutz, seien sicher und frei. Beeindruckt von der heroischen Gestalt auf dem Ross, fragt ein kleiner Junge seine Mutter: "Ist das wirklich ein Jude?"

Zwick ist mitnichten ein Mann der leisen Töne, geschweige denn der subtilen Charakterzeichnung. Da geraten im Wald die Stereotypen aneinander: "Was genau bist Du von Beruf", will der vierschrötige Zus von einem Ankömmling mit runder Brille wissen, der sich mit dem Hammer schwer tut. "Man könnte mich als Intellektuellen bezeichnen." Darauf der Bielski-Prolet: "Das nennst Du einen Beruf?" Nett, dass der schrullige Kerl dann auch noch Sachen sagen darf wie: "Decartes erkannte die subjektive Natur der Existenz". Gewiss, das muss ein Intellektueller sein.

Überhaupt: Ein Wald ist ein Wald ist ein Wald. Irgendwann in der zweiten Hälfte, des mit über zwei Stunden Spielzeit episch angelegten Films, macht sich Langeweile breit - jüdisches Community-Building hin oder her. Höchste Zeit, noch einmal "The Great Dictator" aus dem Regal zu holen.

13.02.2017

3

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Kommentare

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Patrick

vor 9 Jahren

Packendes Kriegsdrama bei dem streckenweise Robin Hood zum vorschein kommt, sowie überzeugen auch die schönen Wald Aufnahmen.
Bei dem Drama überzeugt auch Mia Wasikowska(Jane Eyre) voll und ganz.


kevie

vor 11 Jahren

ich finde den film gut. kurz vor der pause ist er ein wenig langatmig, aber ansonsten find ich ihn sehenswert.


bluewing

vor 12 Jahren

mässig


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