Comme les autres Frankreich 2008 – 90min.

Filmkritik

Wenn Schwule schwanger werden

Filmkritik: Cindy Hertach

Ein schwuler Kinderarzt mit Babywunsch sucht und findet seine ideale Leihmutter. Trotz kontroversem Inhalt ist die beschwingte und unterhaltsame Komödie des Franzosen Vincent Garenq massentauglich.

Manu (Lamber Wilson) will ein Kind, sein Freund Philippe (Pascal Elbé) nicht. Der Babywunsch des 40-jährigen Arztes bedeutet schliesslich das Beziehungsaus für das langjährige Paar. Nachdem Philippe ausgezogen ist, macht sich Manu auf die Suche nach der potentiellen Mutter seines Sohnes. Was leichter gesagt ist als getan, denn jede erdenkliche Möglichkeit - Adoption, Leihmutterschaft, schwul-lesbische Co-Elternschaft - wartet mit ihren ganz eigenen Tücken auf. Aber glücklicherweise verschafft Manu ein glimpflich abgelaufener Autounfall die Bekanntschaft mit der schönen jungen Argentinierin Fina (Pilar Lopez De Ayala), die zufälligerweise dringend eine Aufenthaltsgenehmigung benötigt.

Der Franzose Vincent Garenq wollte ursprünglich ein Dokumentarfilm über gleichgeschlechtliche Elternschaft drehen. An verschiedenen Stellen eingereicht, stiess er mit seinem Projekt entweder auf Desinteresse oder homophoben Widerstand. Erst als Garenq den Dok-Film in einen Spielfilm umschrieb, fand sich ein Produzent; wahrscheinlich weil das Thema in einer fiktionalen Erzählung von den Geldgebern als weniger stossend vermutet wurde.

Man merkt dennoch, dass Garenq, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen, mit dem polarisierenden Inhalt seines Films keinen moralischen Aufruhr verursachen will. Obwohl ihm nach eigener Aussage scheinbar viel daran lag, die gängigen negativ besetzten Stereotype übers Schwulsein zu umschiffen, kehrt er diese ungeniert ins Positive um. So bestätigen Manu und Philippe so ziemlich alle freundlichen Vorurteile, die man über Schwule haben kann: Als gebildete und sensible, stilsichere und wohlhabende Hedonisten bewohnen die beiden ein mit höchster Sorgfalt ausgestattetes Heim und treffen sich mit ihrer besten Freundin zum Kaffee-Kränzchen.

Diese Darstellung ist vielleicht wohlwollend gemeint, letztlich aber auch nicht besser als die einschlägigen schwulen Prädikate tuntig, schrill und polygam. Klar, dass Garenq mit dieser Haltung seinem Publikum natürlich auch keine schwulen Sex-Szenen zumutet, sondern höchstens mal andeutet. Die einzige Liebesszene spielt sich paradoxerweise zwischen einem heterosexuellen Paar ab. Möglich, dass all diese Kompromisse, verpackt in einer süffigen und prächtig unterhaltende Komödie, der eigentlichen Sache - nämlich dem Werben um Verständnis und Toleranz für gleichgeschlechtliche Elternpaare - dienen mag. Nur fragt sich, ob das nicht auch mit einer vorurteilsfreieren und neutraleren Darstellung der schwulen Figuren möglich gewesen wäre.

05.10.2009

3

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Kommentare

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Patrick

vor 2 Jahren

Der Film ist einfühlsam&erheiternd zugleich.In diesem Sinne ein TV oder DVD-Tip


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